Modell der Altstadt und Löwe vor Martinskirche wurden Vandalismusopfer

Stadtgeschichte wird zerstört: Bronzemodell wurde beschädigt

Sind verärgert über den Zustand des Stadtmodells: Gästeführerin Claudia Panetta-Möller und Jörg Sperling vom Verein Freunde des Stadtmuseums.
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Sind verärgert über den Zustand des Stadtmodells: Gästeführerin Claudia Panetta-Möller und Jörg Sperling vom Verein Freunde des Stadtmuseums.

Claudia Panetta-Möller ist fassungslos. Die Gästeführerin hat bei ihren Führungen durch die Innenstadt zuletzt immer häufiger Vandalismus erlebt.

Kassel - So ist das vor drei Jahren mithilfe von 60 000 Euro Spenden angefertigte Bronzemodell der Kasseler Altstadt auf dem Friedrichsplatz inzwischen stark beschädigt. Zudem wurde am Wochenende einer der Löwen vor dem Eingang der Martinskirche vom Sockel gestoßen.

Eigentlich ist ein Bronzemodell robust. Aber die Kasseler Altstadt hat seit ihrer Aufstellung schon viel aushalten müssen. Das Modell ist nicht nur voller Scherben, Zigarettenstummel und Asche, auch Brandspuren und Überreste von Heroinkonsum – wie verkohlte Aluminiumfolie und Spritzen – finden sich regelmäßig auf dem Modell. Mit Brandbeschleuniger wurden Teile des Modells offenbar mutwillig entzündet. Durch die Hitze sind die Türme der Martinskirche und Lutherkirche verbogen.

Regelmäßig wird hier mit Feuer hantiert: Das Modell ist von Brandspuren übersät.

„Es ist traurig“, sagt Panetta-Möller. Bevor sie Gästegruppen das Modell zeigt, geht sie in der Regel vorher dorthin, um Müll und Unrat zu beseitigen. Gerade für Schüler seien die Spuren des Drogenkonsums eine Gefahr. Aber auch Blinde könnten sich an Scherben verletzten, beim Versuch, die Blindenschrift im Modell zu ertasten.

Jörg Sperling vom Verein Freunde des Stadtmuseums, der die Aufstellung des Modells mit Hilfe der Spenden realisiert hatte, sieht ebenfalls dringenden Handlungsbedarf. Eine Beleuchtung des Modells könnte helfen, dem Vandalismus vorzubeugen. Auf jeden Fall sei eine Reinigung des Modells nötig. Man werde mit dem Bildhauer Kontakt aufzunehmen, um zu klären, ob sich die Schäden reparieren ließen. „Eigentlich waren die Kirchtürme schon stahlverstärkt“, sagt Sperling. Die Stadt Kassel habe bei der Aufstellung des Modells zugesagt, sich darum zu kümmern. Insofern sei auch diese nun am Zug, sich eine Lösung zu überlegen.

Umgestoßen: Löwe vor der Martinskirche.

Nach Lösungen sucht auch Willi Temme. Der Pfarrer an der Martinskirche hat wiederholt Vandalismus am Gotteshaus und in dessen Umfeld erlebt. Am Wochenende habe dieser eine neue Dimension erreicht, wie Temme sagt. Einer der historischen Steinlöwen vor der Kirche war aus der Verankerung gebrochen und vom Sockel gestoßen worden. Dabei sind Teile der Figur abgebrochen. „Das war die reine Lust an der Zerstörung“, sagt Temme.

Erst im Sommer war das Grabmal von Philipp dem Großmütigen in der Kirche beschädigt worden (HNA berichtete). Um an das glänzende Schwert der Grabfigur zu gelangen, war eine Hand abgebrochen worden. Das aus dem Jahr 1567 stammende Werk ist kunsthistorisch bedeutsam, der Materialwert des Schwerts aber gering. Seinerzeit habe es sich wohl um Beschaffungskriminalität gehandelt, so Temme. Der Täter habe sicher Gold vermutet.

Pfarrer Temme hat Anzeige bei der Polizei erstattet. Er hat aber wenig Hoffnung, dass die Täter gefunden werden. Den Täter aus dem Sommer hat die Polizei jedenfalls nicht ausfindig machen können. „Und wenn sie ihn finden, gibt es nichts zu holen.“ (Bastian Ludwig)

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