Freie Platzwahl soll es nicht mehr geben

Ärger um schlechten Service bei Auftritt von Kaya Yanar in Stadthalle Kassel

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Bei seinem jüngsten Auftritt in Kassel brachte Comedy-Star Kaya Yanar den Besucher-Ärger in seinem Programm „Ausrasten!“ sogar auf die Bühne.

Kassel. In der Kasseler Stadthalle gab es Ärger um schlechten Service. Besucher beschwerten sich nach einem Comedy-Auftritt von Kaya Yanar nicht nur über die Garderobenpflicht.

Dass sich Künstler bei ihren Fans für schlechte Serviceleistungen des Veranstaltungsortes entschuldigen, kommt selten vor. Beim Auftritt von Kaya Yanar vor wenigen Tagen in der Stadthalle Kassel freilich schon. Was war denn da los?

Warteschlangen und hohe Getränkepreise im Kongress Palais

Der Comedy-Star hatte in seinem Programm mit dem Titel „Ausrasten! Für Anfänger“ seine Zuhörer um eine Facebook-Mitteilung gebeten, was sie zum Ausrasten bringt. Für das Kongress Palais Kassel kam es dabei dicke. 

Garderobenpflicht, hohe Getränkepreise, Handtaschenkontrollen, Warteschlangen: „Kaya Yanar hat sich selbst darüber schlapp gelacht“, sagt HNA-Konzertkritiker Steve Kuberczyk-Stein. Auch er wunderte sich einmal mehr über lange Warteschlangen an Garderobe, Getränkeverkauf und Pfandrückgabe. Es seien nach seiner Beobachtung „zu wenig Leute“ im Service gewesen.

„Die Security hat sich zeitweise aufgeführt, als würde die Bundeskanzlerin auf der Bühne stehen“, klagt Yanar-Fan Ulf Schade, dem wie dem Comedy-Star der Kragen platzte. Kommentar des Künstlers Kaya Yanar: „...ich habe damit nichts zu tun... die hat der Veranstalter gebucht...“ Servicepersonal, das nicht Kopfrechnen könne, dadurch unnötige lange Wartezeiten an den Theken und Getränkepreise, dass einem die Lust vergehe. 

Kommentar Kaya Yanar: „...ich verdiene nichts daran...“ „Am Ende der Comedy-Show gab es nur eine einzige Theke, die Pfand zurück gab – bei circa 1800 Besuchern“, entrüstet sich Ulf Schade. An den Garderoben hätten Zustände geherrscht, „als würde es was umsonst geben.“ Und wer komme auf die Idee, so eine Show ohne Sitzplatznummern zu veranstalten?

Kongress-Palais Stadthalle Kassel: Immer wieder gibt es Kritik an langen Warteschlangen bei Garderobe, Getränkeverkauf und Pfandrückgabe.

Die Probleme seien Dauerzustand in der Stadthalle, sagt Schade, der dort häufig Konzerte besucht. Es könne auch nicht schaden, wenn das Personal ein wenig freundlicher wäre, regt er an. „Die Stadthalle ist doch sowas wie das Wohnzimmer der Stadt Kassel, will man das so? Dass Kassel als documenta-Stadt ein solches Bild hinterlässt?“

„Wir werden dem nachgehen“, sagt Stadthallen-Chef Oliver Höppner: „Wir sind bemüht, besten Service zu bieten.“ Insgesamt habe es bei den letzten 30 Konzerten von Dezember 2017 bis Februar 2018 kaum Beschwerden zum Thema Garderobe gegeben. Was den Getränkeverkauf angehe, habe man nur begrenzt Einfluss auf den Vertragspartner, die H-Hotel Gruppe, die auch das Stadthallenhotel betreibt. Der Partner müsse beim Service ein Vier-Sterne-Niveau bieten, „das ist hier nicht wie im Fußballstadion.“

Die Stadthalle habe vor 20 Jahren das Catering aus der Hand gegeben und sich langfristig gebunden, „an den Vertrag kommen wir nicht ’ran“, sagt Höppner. Man beobachte immer noch Verstöße, „aber wir ringen darum, die Partnerschaft erfolgreich zu gestalten.“

Fragen und Antworten zum Service in der Stadthalle Kassel

Die Stadthalle in der Kritik: Fragen, Antworten und Tipps zu Ärgernissen haben wir hier zusammengefasst.

Mäntel, warme Jacken und große Taschen müssen in der Stadthalle an der Garderobe abgegeben werden. Muss das sein?

Ja, es geht um Sicherheit. Zwischen den Stuhlreihen verstaute dicke Jacken, Mäntel und Taschen blockieren Fluchtwege im Kongress Palais. Und Gäste ärgern sich, wenn die über der Stuhllehne hängende Jacke des Vordermanns den Sitzplatz einengt.

Aber warum müssen auch manche Handtaschen abgegeben werden?

Weil sie so groß sind, dass man damit auch übers Wochenende verreisen könnte. Wie fürs Bordgepäck am Flughafen gibt es für Handtaschen, die mit in den Saal dürfen, eine Maximalgröße. Alles, was größer ist, darf nicht mit hinein.

Warum werden die Handtaschen der Konzertbesucherinnen zusätzlich durchsucht?

Weil immer mehr Frauen Pfefferspray in der Handtasche haben. Aus Sicherheitsgründen dürfen solche Selbstverteidigungssprays nicht zu einer Veranstaltung mitgenommen werden, wo viele Menschen zusammenkommen. „Unsere Sicherheitskräfte finden regelmäßig Pfefferspray und Taschenmesser“, sagt Stadthallen-Chef Oliver Höppner. Auch Messer dürfen nicht mit in den Saal.

Zwei Euro für die Garderobe empfanden Besucher des Auftritts des Comedy-Künstlers Kaya Yanar als „eine Frechheit“, wie in der Show zu hören war. Bei anderen Veranstaltungen muss nichts für die Garderobe gezahlt werden. Wie kommt das?

Dann übernimmt der Veranstalter die Garderobengebühr, die in Eintrittskarten oder Tagungsgebühren eingepreist wird. Das gilt laut Höppner als die beste Lösung, weil es Tagungsgästen und Konzertbesuchern Geld und Zeit spart. „Aber viele Konzertveranstalter wollen das nicht“, weiß Höppner. Die Tickets, die ohnehin mit Vorverkaufs- und anderen Gebühren belastet seien, würden dann noch teurer oder die Gewinne für die Veranstalter geringer ausfallen.

Taschenkontrolle: Kongress-Palais-Chef Oliver Höppner mit dem Größenmuster. Handtaschen, die größer als 30 mal 21 Zentimeter sind, dürfen nicht mit in den Saal.

Ist denn das Problem mit den Schließfächern inzwischen gelöst? Wer will, könnte damit ja einen Euro Garderobengebühr sparen.

Ja, wer das möchte, kommt jetzt vor den Einlasskontrollen zum Saal an die 100 Schließfächer im Eingangsbereich. Für einen Euro kann man Mantel und Tasche dort einschließen, muss dann nicht mehr zur Garderobe und spart dadurch auch noch Zeit.

Wie lang darf die Warteschlange an der Garderobe höchstens sein?

Beim Ankommen der Gäste maximal zehn Personen, sagt Höppner. Nach dem Ende einer Veranstaltung, wenn alle auf einmal raus wollen, sind es maximal 20 Personen. Werden die Schlangen länger, müssen weitere Garderoben-Stationen geöffnet werden.

Warum gibt es nicht grundsätzlich nummerierte Plätze, um die Jagdszenen vor Konzertbeginn zu beenden?

Freie Platzwahl wird es künftig nicht mehr geben, kündigt Höppner an. Das provoziere einen regelrechten „Run“ hinter dem Einlass auf die besten Plätze. Der Chef will das allen Veranstaltern „schlichtweg untersagen“. Denn die Zustände seien in der Tat nicht tragbar. Deshalb werde man ein generelles Verbot dieser Variante aussprechen.

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