Einsatz war nicht ankgekündigt

Verpuffung in der Stadthalle: Übung mit Feuerwehr und Rettungsdienst

Kassel. Es scheint ein ganz normaler Wochenend-Dienst für die Mitarbeiter der Kasseler Stadthalle zu werden. Doch dann wird am Samstagmorgen alles ganz anders. Bei einer  Fortbildungsveranstaltung im Aschrott-Flügel kommt es gegen 10 Uhr zu einem Kurzschluss in der Elektro-Verteilung.

Mit einem lauten Knall explodiert der Kasten, Flammen schlagen heraus. Wenig später ist der Seminarraum verraucht.

Sechs der 20 Seminarteilnehmer werden schwer verletzt, die übrigen erleiden leichte Verletzungen. Hilfeschreie ertönen. Der Schreck steht vor allem den sieben Mitarbeitern der Stadthalle im Gesicht, als wenige Minuten später die Kasseler Feuerwehr anrückt. Danach erreichen Notärzte, Rettungsdienst von Arbeiter-Samariter-Bund und die Schnelleinsatzgruppe (SEG) des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die Stadthalle. Insgesamt sind 26 Feuerwehrleute und 20 Rettungsdienst-Mitarbeiter im Einsatz, darunter viele ehrenamtliche.

So ernst das alles zuerst wirkt, so schnell macht sich Erleichterung breit, als Klarheit herrscht, dass es sich nur um eine Übung handelt. Dennoch sind alle mit professionellem Eifer dabei, den Einsatz abzuarbeiten.

Schwerverletzt nach der Explosion: Ehrenamtliche des Deutschen Roten Kreuzes spielten die Verletzten ziemlich überzeugend. Sie waren eigens aus Marburg angereist, damit vorher in Kasseler Helfer-Kreisen nichts über die Übung in der Stadthalle bekannt wird.

Ausgearbeitet hat die Übung Tobias Zweckerl. Der technische Leiter der Stadthalle hat selbst für die täuschend echten pyrotechnischen Effekte gesorgt und die 20 Mimen vom DRK in Marburg organisiert, die im Rauch um die Wette zu husten scheinen. „Es läuft besser, als ich es befürchtet habe“, sagt Zweckerl, als die ersten Schwerverletzten zur Sammelstelle im Eingangsbereich der Stadthalle gebracht worden sind.

Seit drei Jahren habe die Stadthalle „ein ziemlich ausgetüfteltes Sicherheitskonzept“. Die Übung am Samstag sei die „erste heiße Erprobung“, sagt Zweckerl. „Wir wollen sehen, wo noch Haken und Ösen sind.“

„Zufrieden“ äußerte sich Michael Pflüger, Einsatzleiter bei der Berufsfeuerwehr. „Die eigentliche Übung hat sehr gut funktioniert.“ Aber natürlich gebe es immer wieder „Kleinigkeiten, die man verbessern kann“. Nicht ganz so zügig wie eigentlich notwendig hätten Feuerwehr und Rettungsdienst den Einsatz abgearbeitet, sagte Pflüger. Allerdings sei das dem Umstand geschuldet gewesen, dass nicht so viele Einsatzkräfte wie sonst in der Realität alarmiert worden wären.

Fotos der Übung

Übung der Rettungskräfte: Verpuffung in Stadthalle simuliert

Glücklicherweise sei der Ernstfall bisher ausgeblieben, sagt Oliver Höppner, Leiter der Stadthalle als Bereich von Kassel Marketing. Aber gerade deswegen sei es um so wichtiger, dass das Sicherheitskonzept für die insgesamt 35 Mitarbeiter nicht nur Theorie bleibe – rechtzeitig vor dem nächsten Großereignis in der Stadthalle. Wenn sich am kommenden Wochenende 7000 Manga-Fans zur Connichi treffen, bleiben derartige Unfälle hoffentlich aus.

Von Claas Michaelis

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