Auf Stadtrundfahrt mit den Künstlern vom Zirkus Flic Flac

Kein Foto ohne akrobatische Einlage: Die chinesischen Handstandkünstler Long Jun (gelbe Weste) und Long Bing zeigen vor der Orangerie, was sie können. Im Hintergrund stehen die weiteren Artisten und Künstler vom Zirkus Flic Flac. Fotos: Holscher

Kassel. Sie leben aus dem Koffer und wohnen im Hotel - die Auftritte im Zirkus Flic Flac bestimmen ihren Tagesrhythmus und das seit vier Wochen. Die meisten der Artisten haben deshalb von Kassel nicht viel gesehen.

„Ich war eigentlich nur im Umkreis von zwei Kilometern in der Innenstadt unterwegs“, sagt Komiker und Jongleur Steve Rawlings. Um das zu ändern - und als Dankeschön der Stadt -, organisierte Kassel Marketing gestern eine zweistündige Stadtrundfahrt für die Artisten vom Zirkus Flic Flac.

Knapp 20 Künstler fuhren im Bus mit, der am Staatstheater startete. „Einige fehlen heute - die Partygänger“, sagt der Engländer Rawlings mit einem Grinsen. Der 51-Jährige ist zum ersten Mal in Kassel. So richtig herumgekommen ist er nicht. Sein Tag ist durch zwei Auftritte pro Show bestimmt: Jonglage, Comedy und andere Einlagen. Daneben wird trainiert und die Familie vom Hotelzimmer aus in England angerufen. Die Tour durch Kassel gefällt ihm: „Es ist wunderschön hier“, sagt er. Auch das Wetter? „So ein Wetter haben wir im Sommer in England“, sagt der Vater einer Tochter. Mit ihr und seiner Frau lebt er in der Nähe von London.

Stadtführerin Ulrike Ortwein erklärt den Künstlern, die am 12. Januar ihren letzten Auftritt in Kassel haben, auf Englisch die Geschichte der Orangerie und der Aue. Akrobatin Ekaterina Shustova ist schon einmal an der Orangerie gewesen. „Mir gefällt Kassel, ich mag die Kirchen hier“, sagt die 25-Jährige, die aus Moskau kommt und dort nach der Spielzeit wieder hingehen wird. Ganz neu ist Deutschland für sie nicht. Schon von 2000 bis 2003 lebte sie mit ihren Eltern in Baden-Württemberg und ging dort zur Schule. „Mein Deutsch kommt langsam wieder“, sagt sie. Nach den drei Jahren ging es aber wieder nach Russland, sagt Shustova, die aus einer Zirkusfamilie stammt.

Die Bustour führt von der Orangerie zum Herkules hinauf. Jim, der Diabolokünstler aus Taiwan, war noch nicht hier oben. „Ich bin bisher nur durch die Stadt gelaufen“, sagt er. Für ihn geht es nach dem 12. Januar wieder zurück nach Taiwan. „Ich beende dort mein Business-Management-Studium“, sagt der 20-Jährige. Seine Eltern dachten, er könne mit dem Zirkus kein Geld verdienen. Das sei ein Grund für das Studium gewesen. Sein Ziel sei es aber, auch danach als Künstler zu arbeiten. Und was ist ihm an den Deutschen aufgefallen? „Ihre Pünktlichkeit.“ Wie passend: Nach beinahe genau zwei Stunden hält der Bus um 14 Uhr wieder am Staatstheater.

Von Max Holscher

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