Aus für die Stadtschleuse: Hochwasser droht und Regatta wäre tot

Die Kasseler Stadtschleuse

Kassel. Sollte die Kasseler Stadtschleuse geschlossen und die Fulda nicht mehr gepflegt werden, wird sie auf jeden Fall nach und nach verlanden. Das sagt Professor Dr. Ing. Stephan Theobald.

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Er ist Experte im Fachgebiet Wasserkunde und Wasserwirtschaft an der Universität Kassel. Gestaute Flüsse wie die Fulda hätten generell die Tendenz zur Verlandung, sagt Prof. Theobald. Sie müssten ständig ausgebaggert werden, um eine bestimmte Wassertiefe in der Fahrrinne zu halten. Wird der Fluss aber flacher, werden sich die Wassermassen zur Seite hin ausbreiten - die Gefahr von extremen Hochwassern steigt, macht der Experte deutlich.

So funktioniert die Kasseler Schleuse

So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das mögliche Ende der Kasseler Schleuse im Jahr 2016 hat für große Aufregung gesorgt. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Die dramatischen Konsequenzen haben viele überrascht - und manch einer mag sich fragen: Wie funktioniert eine Schleuse? Wozu ist sie überhaupt da? © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Eine Schleuse ist dazu da, damit ein für die Schifffahrt aufgestauter Fluss von Booten befahren werden kann. © Koch/HNA
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Ohne Staustufen würde sich die Fulda durch das große Gefälle von der Quelle bis zur Weser in einen ziemlich reißenden Fluss verwandeln. Um den Fluss zu verlangsamen und schiffbar zu machen, wurden Staustufen gebaut. © Koch/HNA
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Die können Schiffe aber nur durch Schleusen passieren, die den Höhenunterschied überwinden. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das funktioniert so: Nehmen wir an, wir fahren mit einem Boot von Kassel nach Hann. Münden. Die Kasseler Schleuse ist mit Wasser gefüllt. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das Tor ist offen, die Ampel vor der Schleusenkammer steht auf Grün - wir dürfen also einfahren. © Koch/HNA
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Ist das Boot in der Schleuse festgemacht, schließt der Schleusenwärter das Tor, durch das wir eingefahren sind. Das Tor am anderen Ende ist zu. © Koch/HNA
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Dann beginnt der Schleusenwärter das Wasser in der Schleuse abzulassen - schließlich müssen wir auf das Wasserniveau kommen, das vor der Schleuse Richtung Hann. Münden herrscht. © Koch/HNA
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Der Schleusenwärter setzt per Knopfdruck also einen Elektromotor in Gang, der sogenannte Schütze oder Schieber öffnet. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das Wasser aus der Schleuse strömt durch Öffnung hinaus, wir schweben sozusagen mit unserem Boot auf dem Wasser in die Tiefe. © Koch/HNA
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Hat das Wasser in der Schleuse das Höhenniveau des Wassers der Fulda Richtung Münden erreicht, öffnet der Schleusenwärter wieder per Knopfdruck das Tor. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Wir können hinaus. In umgekehrter Richtung funktioniert es ähnlich. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Genau 2,80 Meter Höhenunterschied werden so durch die Kasseler Schleuse überwunden. Weiter flussabwärts in Wahnhausen sind es über acht Meter. © Koch/HNA
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Eine Schleusung dauert in Kassel etwa zehn Minuten. © Koch/HNA
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Wie rege die Schleuse benutzt wird, zeigen Zahlen aus dem letzten Jahr: Bei 3378 Schleusungen wurden 5079 Kleinboote gezählt, die die Schleuse passierten. Dazu kamen 800 Fahrten der Ausflugsdampfer. © Koch/HNA
So funktioniert die Kasseler Schleuse
Freizeitkapitäne müssen dabei immer die Berufsschifffahrt, also die Ausflugsdampfer, vorlassen. © Koch/HNA

Legt die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte in Hannover die Kasseler Schleuse 2016 aus Sicherheitsgründen still, würde die Fulda in Richtung Neue Mühle nicht mehr ausgebaggert werden. Denn ist die Schleuse mit Kies oder Beton gefüllt und damit für immer zu, könnte kein Baggerschiff mehr flussaufwärts fahren.

Bisher wird jedes Jahr gebaggert, sagt Katrin Urbitsch, Chefin des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Hann. Münden. Das sei nötig, da sich nach jedem Hochwasser Sand und Schlamm abgelagert habe. Urbitsch bestätigt, dass das Amt nach dem Wegfall der Schleuse die Fulda im Kasseler Gebiet nicht länger ausbaggere.

Ohne Arbeitsboot sei dies nicht mehr möglich. Die Folgen wären auch für die Bootshäuser dramatisch: „Der Regattasport in Kassel ist dann tot“, fürchtet Holger Römer, Chef des Rudervereins des Friedrichgymnasiums, dem größten Schulruderverein in Hessen. 4000 Menschen sind Mitglied in den Wassersport treibenden Vereinen in Kassel. Sie wollen die drohende Schließung der Schleuse verhindern und machen mobil: Geplant ist eine konzertierte Aktion, an der sich Angler, Kanuten, Ruderer, Motorbootfahrer und Organisationen wie die DLRG beteiligen wollen. (tho)

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