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Stadtschulsprecherin Marie Haller: Grundschüler sollen mitmachen

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Von: Christina Hein

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Stadtschulsprecherin: Marie Haller, Schülerin der JGS, engagierte sich schon als Grundschülerin.
Stadtschulsprecherin: Marie Haller, Schülerin der JGS, engagierte sich schon als Grundschülerin. © Christina Hein

Die neue Kasseler Stadtschulsprecherin Marie Haller wünscht sich Partizipation, die in der Grundschule beginnt. Neben dem Abitur plant die 18-Jährige für sich ein Frühstudium.

Kassel – Wer sich mit Marie Haller, der neuen Stadtschulsprecherin, zu einem Gespräch verabreden möchte, bekommt von ihr – in freundlicher Zugewandtheit – sofort mögliche Termine angeboten: „Heute ab 16 Uhr“, schreibt sie über WhatsApp. „Oder morgen zwischen 8 und 9 oder ab 12.30 Uhr.“ Die 18-jährige Jacob-Grimm-Schülerin hat einen vollen Terminkalender. Verplemperte Zeit gibt es bei ihr nicht. Dabei wirkt sie entspannt, und alles, was sie tut, macht sie ruhig und gerne. Sogar lernen.

Die 18-jährige angehende Abiturientin hat die Leistungskurse Mathe und Powi. „Ja, Lernen macht mir tatsächlich Spaß“, sagt sie und lacht. Dass sie dabei noch Kapazitäten hat, sieht man daran, dass sie zurzeit parallel zur Schule ein Schnupperstudium in Philosophie an der Uni Kassel absolviert. Da habe sie Präsenzveranstaltungen und digitale Vorlesungen besucht. Für nächstes Jahr peilt sie sogar ein Frühstudium neben der Abiturprüfung an. Da könne sie schon Credits fürs spätere Politikstudium sammeln.

Kasseler Stadtschulsprecherin: Marie Haller möchte Diplomatin werden

Beruflich sieht sich Marie Haller als Diplomatin in der Außenpolitik. Auch die Arbeit für eine internationale Organisation kann sie sich vorstellen. „Auf jeden Fall muss es eine Tätigkeit sein, in der ich meinen Idealen treu bleiben kann“, sagt sie.

Erfahrungen in der großen Politik hat sie mit einem Praktikum bei dem SPD-Abgeordneten Timon Gremmels im Bundestag gesammelt. Das parlamentarische Stipendium für die USA musste 2020 wegen Corona ausfallen. So war der Kontakt zu Gremmels entstanden.

Dass man als Bundespolitiker Kompromisse eingehen und auf Außenwirkung bedacht sein muss, schrecke sie ab. „Ich möchte gerne kompromisslos für existenzielle Werte kämpfen. Das muss man wohl am besten international angehen.“

Kassels Stadtschulsprecherin Marie Haller engagiert sich für Klima und Umweltschutz

Politisch aktiv ist Marie indes, solange sie sich erinnern kann. Klar war sie auf zahlreichen Fridays-for-Future-Demos und sie engagiert sich auch sonst für Klima und Umweltschutz. Aber: „Für mich war immer die Schulpolitik ein Schwerpunkt. Da bin ich näher dran, auch an den Entscheidungen, selbst wenn Prozesse manchmal zäh sind.“ Sie lerne, wie Strukturen funktionieren. „Das ist Realpolitik im Kleinen.“

Seit der Grundschule, damals noch auf der Reformschule, engagiert sich Marie Haller als Schülervertreterin. Seit der neunten Klasse ist sie Mitglied im Stadtschülerrat (SSR). Dabei ist es ihr wichtig, als neue Stadtschulsprecherin im Team zu arbeiten: mit ihren Stellvertretern, Julius Jasperbrinkmann und Rojda Kansiray sowie dem gesamten SSR. Die Förderung politischer Partizipation sei eines der größten Anliegen. Damit könne nicht früh genug angefangen werden, weshalb ihr das Projekt Grundschulrat besonders am Herzen liegt.

Kassels Stadtschulsprecherin ist mit Leidenschaft dabei: „Ich mag keine halben Sachen“

Woher ihr Interesse an Politik und Verantwortung, an Diskussion und Austausch, rührt? Sie hat eine Vermutung: Sie lebe in einer großen Patchwork-Familie mit sieben Geschwisterkindern, erklärt Marie vergnügt. „Wir sitzen abends immer um den Tisch und reden viel über Politik, sind unterschiedlicher Meinung, argumentieren und entwickeln Standpunkte.“ Diese Akzeptanz von Diversität und damit verbunden demokratische Strukturen seien ihr auch außerhalb der Familie wichtig.

Sportlich powert sich Marie übrigens mit Fußballspielen aus. Und auch hier ist noch Luft nach oben: Jetzt hat sie außerdem mit Boxen begonnen.

„Ich stehe allem um mich herum offen gegenüber“, sagt sie. „Begeistert mich etwas, mache ich es mit voller Leidenschaft. Ich mag keine halben Sachen.“

Marie Haller will Grundschüler in Kasseler Stadtschülerrat einbinden

„Man kann nicht früh genug anfangen mit gesellschaftlicher Partizipation und dem Einüben von demokratischen Strukturen.“ Das haben sich die Mitglieder des Kasseler Stadtschülerinnen- und Schülerrats (SSR) auf die Fahnen geschrieben. Warum also nicht schon Grundschüler dazu auffordern, sich für ihre Bedürfnisse einzusetzen?

„Da passiert gerade viel, und Kassel gehört in Hessen in Sachen Beteiligung von Grundschülern zu den Vorreitern“, sagt SSR-Sprecherin Marie Haller. Jetzt hat die zweite Konferenz mit Grundschuldelegierten – coronabedingt online – stattgefunden. Haller: „Vorher haben wir rumtelefoniert und dazu eingeladen. Einige Grundschüler haben ja nicht mal Klassensprecher. Immerhin zwölf Schüler haben, in zwei Gruppen und von uns moderiert, miteinander geredet.

Einige waren anfangs noch schüchtern, doch das legte sich bald. Wir haben unter anderem versucht, die Konferenz mit Spielen aufzulockern. Wir fragten: Wie geht es Euch mit Corona? Ein wichtiges Thema waren Streitereien auf dem Schulhof. Wir haben angeboten, dass wir vor Ort klären: Wo kommt der Streit her, was können wir zur Konfliktlösung beitragen? (Christina Hein)

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