Nachfolgeregelung nicht genehmigt

Stadtteil fehlt Augenarzt: Harleshäuser fürchten Versorgungslücke

Harleshausen. Seit Anfang des Monats ist die Augenarztpraxis im Ärztehaus in Harleshausen dicht. Vor allem viele ältere Patienten, die häufig zum Augenarzt müssen, sind darüber bestürzt.

Denn wenn sich für die Praxis kein Nachfolger findet, entsteht aus Sicht der Bürger in und um Harleshausen eine Versorgungslücke. Eine Lösung war noch vor wenigen Wochen greifbar nahe, wurde aber von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) in Frankfurt nicht genehmigt. Ein Widerspruch läuft.

Seit rund fünf Jahren suchten Dr. Andreas und Dr. Marielis Raabe einen Nachfolger für ihre große Doppelpraxis an der Wolfhager Straße 381. Immer wieder schoben sie im Interesse ihrer Patienten den Abschied aus der Praxis hinaus, sagt Andreas Raabe (68).

Im Frühjahr dieses Jahres schien endlich eine Lösung gefunden zu sein: Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Medikum Kassel wollte die Versorgung in Harleshausen gewährleisten und die Praxis als Zweigpraxis anlegen. Dafür sei im April eine Augenärztin angestellt worden, die bereits ein Vierteljahr in der Praxis Raabe eingearbeitet wurde, erläutert Medikum-Geschäftsführer Lutz-Michael Schäfer. Alle Anträge zur Zulassung der Zweigpraxis in Harleshausen seien fristgerecht bei der KV eingereicht worden. Andreas und Marielis Raabe hatten daraufhin ihre Kassenzulassung abgegeben.

Doch die KV lehnte die Gründung einer Zweigpraxis ab. Für einen solchen Fall fordere die Zulassungsvorordnung besondere Kriterien, die hier nicht erfüllt seien, erläutert KV-Sprecher Karl Matthias Roth. Hätte die Augenärztin einen der beiden Arztsitze übernommen, hätte es wegen des Bestandsschutzes indes kein Problem gegeben.

Schäfer kann dieser „unlogischen und bürokratischen Argumentation“ nicht folgen. „Warum gelten hier andere Kriterien, wenn es um die Versorgung der gleichen Patienten geht?“, fragt er. Das Medikum legte Widerspruch ein.

Und Marielis Raabe ist fassungslos, denn seit Monaten sei diese Praxis im Hessischen Ärzteblatt als „vorrangig zu besetzen“ ausgeschrieben. Zudem sei bei der Befragung anderer Augenärzte durch die KV suggeriert worden, dass es sich um eine zusätzliche (Zweig)-Praxis durch ein MVZ (das Medikum sei nicht genannt worden) handele.

Auch im Stadtteil regt sich Unmut. Der Großraum Harleshausen mit rund 20 000 Einwohnern sei mit Augenärzten unterversorgt, mahnt auch Allgemeinmediziner Dr. Klaus Meyer. Und es werde nicht einfach werden, den Bestand der geschlossenen Doppelpraxis auf andere Augenärzte zu verteilen, sagt der Kasseler Augenarzt Dr. Michael Bentler.

Die Augenärzte Raabe, die 38 Jahre für Generationen von Patienten da waren, hoffen auch im eigenen Interesse noch auf eine Lösung. Denn sie sehen sich nun um ihre Altersversorgung gebracht. Die Übergabe der Praxis ist zunächst gescheitert, und seinen Arztsitz, der an die Augenärztin des Medikums gegangen ist, habe er somit praktisch verschenkt. Archivfoto:  nh DAS SAGT,

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Von Martina Heise-Thonicke

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