Niederzwehren: Stadt will Geld für Seniorenarbeit für Menschen über 75 einsetzen

Aus für Stadtteilzentrum

Freizeitgestaltung im Awo-Stadtteilzentrum: Fritz Röbbing bietet einen Aquarellkurs in Niederzwehren an. Foto:  Koch

Niederzwehren. Das Stadtteilzentrum Am Wehrturm im Awo-Altenzentrum in Niederzwehren steht vor dem Aus. Wie Michael Schmidt, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Nordhessen, bestätigt, hat die Stadt Kassel den Vertrag gekündigt. Die Awo, Träger des Stadtteilzentrums, habe jährlich 51 000 Euro von der Stadt für das Zentrum bekommen. Davon wurden ein Sozialarbeiter sowie Sachkosten für das Stadtteilzentrum finanziert, sagt Schmidt.

Rechtsverbindlich habe die Stadt den Vertrag zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt, sagt Schmidt. In einem Gespräch habe man sich aber darauf geeinigt, das Awo-Stadtteilzentrum bis Mitte 2012 weiterzuführen. Dann wechselt der Sozialarbeiter in Altersteilzeit. Die Kosten für das weitere halbe Jahr werde die Stadt tragen.

„Wir wollen keine Haushaltsmittel für die Seniorenarbeit in Niederzwehren kürzen“, sagt Marie-Luise Ros, stellvertretende Leiterin des Sozialamtes. Die Mittel sollten ab Sommer 2012 aber gezielter und wirkungsvoller eingesetzt werden. Bei der Vergabe von freiwilligen Zuwendungen - wie für das Stadtteilzentrum - müsse die Stadt sorgfältig prüfen, ob die erbrachten Maßnahmen noch den gesellschaftlichen Anforderungen entsprächen, sagt Ros.

Das Stadtteilzentrum Am Wehrturm werde vorrangig von Menschen im Alter zwischen 55 und 70 Jahre besucht, die zum Beispiel Schach spielen oder schwimmen. Die Stadt wolle mit neuen Angeboten künftig Menschen ansprechen, die älter als 75 sind und aufgrund von sozialen und gesundheitlichen Einschränkungen auf Hilfe angewiesen sind. Diese könnte zum Beispiel darin bestehen, dass die Senioren zu Hause abgeholt werden, um eine Veranstaltung besuchen zu können. Zudem seien ältere Migranten verstärkt auf Unterstützung angewiesen.

In welcher Trägerschaft das neue Angebot für Senioren stehen soll, das wolle man mit den Akteuren vor Ort, dem Orts- und dem Seniorenbeirat besprechen, sagt Ros.

Protest vorm Rathaus

Die 300 Frauen und Männer, die die Kurse im Awo-Stadtteilzentrum besuchen, protestieren gegen die Schließungspläne. Hier werde an falscher Stelle gespart, sagt Kurt Becker (58) aus Kassel, der sich seit vielen Jahren bei der Literatur-Agentur des Stadtteilzentrums engagiert.

Über die Köpfe aller aktiven Teilnehmer hinweg habe die Stadt über die komplette Streichung des benötigten Zuschusses entschieden, kritisiert Becker. „Lernen und Gesunderhaltung im Alter und die daraus resultierende positive Bilanz werden schlichtweg ignoriert.“ Das Awo-Stadtteilzentrum bietet 36 verschiedene Kurse (zum Beispiel Wassergymnastik, Seidenmalerei, Walking, Fremdsprachen, Computer- und Internetkurse und die Literatur-Agentur) an.

Um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, wollen am heutigen Freitag, 13.15 Uhr, 100 Kursteilnehmer vor das Rathaus ziehen und Oberbürgermeister Bertram Hilgen eine Unterschriftenliste gegen die Schließungspläne überreichen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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