Entscheidung in drei Wochen – kein Kompromiss in Sicht

Kassels Freibäder: Die Lage ist verfahren

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Freibad Wilhelmshöhe

Kassel. Während der Sitzung des Finanzausschusses am Dienstag wurde einmal mehr über die Zukunft der Freibäder Wilhelmshöhe und Harleshausen diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass die Positionen auch drei Wochen vor den entscheidenden Haushaltsberatungen am 27. November weit auseinander liegen.

Während Kämmerer Jürgen Barthel (SPD) die Diskussion als theoretisch bezeichnete, weil das Geld für Neubauten oder Sanierungen (insgesamt acht Mio. Euro) fehle, steuert die rot-grüne Rathauskooperation weiter nicht auf einen Kompromiss zu. Bis zuletzt hatte die Grünen-Fraktion darauf bestanden, dass die Beschlüsse der Stadtverordneten zum Erhalt beider Bäder aus 2008 und 2013 umgesetzt werden.

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Weil die SPD aus Kostengründen zumindest ein Bad schließen will – die Rede war zuletzt immer von Wilhelmshöhe – droht einer der beiden Fraktionen ein Gesichtsverlust. Der Bruch der Kooperation gilt als unwahrscheinlich, weil die politischen Schnittmengen mit anderen Fraktionen zu gering sind. Christian Geselle, SPD-Fraktionsvorsitzender, gab zu, dass die Zeit für eine Einigung knapp werde. Aber in jedem Fall solle eine Entscheidung bis Dezember fallen.

Zum Stand der Verhandlungen mit den Grünen wollte er sich nicht äußern. Im Haushaltsplanentwurf für 2014 steht kein Geld für Bäder-Sanierung oder Neubau bereit. Vor der Bürgerversammlung zu den Freibädern am Donnerstag, 14. November, 19.30 Uhr, im Philipp-Scheidemann-Haus ist nicht zu erwarten, dass sich Rot-Grün zu einer möglichen Lösung öffentlich äußert.

Von Bastian Ludwig

Die Politik

Mehrheit für Erhalt

Die Fraktionen sind mehrheitlich für den Erhalt beider Bäder und haben dies in zwei Beschlüssen festgehalten. Nur die SPD lehnt dies aus Kostengründen ab. Eine Sanierung oder ein Neubau wird mit je etwa vier Mio. Euro kalkuliert. Die Stadt darf wegen ihrer Schulden pro Jahr maximal 16,25 Mio. Euro an Krediten für Investitionen aufnehmen. Im Haushaltsentwurf der rot-grünen Kooperation für 2014 ist kein Geld für den Bäderbau enthalten. Während die grünen Magistratsmitglieder dem Entwurf zustimmten, ist von der Grünen-Fraktion Widerstand zu erwarten. Kürzlich hatten alle Fraktionen dafür gestimmt, die Bäder für 2014 nochmal provisorisch instand zu setzen. Es könnte die letzte Saison sein.

Der Eigentümer

Wenn dann Neubau

Norbert Witte, Bevollmächtigter bei den Städtischen Werken für die Bäder, plädiert im Falle einer Investition in die Bäder für einen Neubau. „Ein Neubau ist günstiger. Wir würden das Wilhelmshöher Bad ohnehin nicht sanieren, ohne zuvor weitere Gutachten zu beauftragen. Da sind zu viele Überraschungen zu erwarten“, sagte Witte. Damit nahm er Bezug auf die sich widersprechenden Gutachten zu einer Sanierung des Bades. Die Neubaukosten beziffert er in Wilhelmshöhe auf vier bis 4,8 Mio. Euro, je nachdem wie aufwändig der Neubau ausfällt. Das Cafégebäude hält er für verzichtbar. Im Bad Harleshausen lägen die Neubaukosten bei 3,2 bis 3,4 Mio. Euro. Die Technik müsse in beiden Bädern erneuert werden.

Die Fördervereine

„Beide oder keins“

Die Fördervereine der beiden Bäder stellten im Ausschuss klar, dass sie sich in der Debatte nicht gegeneinander ausspielen lassen. Anita Mahrt, Vorsitzende des Harleshäuser Vereins, sagte: „Wir würden es nicht hinnehmen, wenn nur ein Bad saniert würde. Beide oder keins.“ Sie gehe von einer Öffnung 2014 aus. Prof. Kuno Hottenrott, Vorsitzender des Wilhelmshöher Fördervereins, ist für eine Sanierung des Wilhelmshöher Bades, den Erhalt des 50-Meter-Beckens und gegen einen Neubau. Er wirft den Städtischen Werken vor, sie hätten die Bausubstanz vergammeln lassen. Der Rückgang der Besucherzahlen (2013: 60 000) habe auch etwas mit dem Attraktivitätsverlust der Anlage zu tun.

Die Gutachter

Streit um Schäden

Die Schäden am Freibad Wilhelmshöhe werden von Gutachtern unterschiedlich bewertet. Das Kasseler Ingenieurbüro Reitz und Pristl kommt zu der Auffassung, dass eine Sanierung aus wirtschaftlichen Gründen nicht sinnvoll sei. Die Statik des 50-Meter-Beckens sei nicht verlässlich genug, um ein neues Becken (aus Edelstahl oder Kunststoff) einzusetzen. Das Büro SMP aus Karlsruhe, das vom Förderverein beauftragt wurde, kommt zu der Einschätzung, dass eine Becken-in-Becken-Lösung möglich ist. Der Beton sei tragfähig genug. Beckenwände und Boden könnten erhalten werden. Dies senke die Kosten einer Sanierung. Kämmerer Jürgen Barthel (SPD) bezeichnete beide Büros als „qualifiziert“.

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