Stadtverordnete im Blickpunkt

Stadtverordnete: Wie viel Zeit wenden sie auf, wie viel Geld bekommen sie?

Kassel. Ein Stadtverordneter in Kassel bekommt im Monat eine Aufwandsentschädigung von insgesamt 400 Euro. Dafür muss er in der Woche teilweise etliche Stunden arbeiten. Das sagen Stadtverordnete.

Ihre Rolle ist in den letzten Tagen nach der von Pro-Freibad-Demonstranten gesprengten jüngsten Sitzung ins Gespräch gekommen. Wir wollten von einigen wissen, wie das Amt des Stadtverordneten konkret aussieht, welche Aufgaben und Belastungen es mit sich bringt.

Wir haben darüber mit den beiden langjährigen Kasseler Kommunalpolitikern und Stadtverordneten Volker Zeidler (SPD) und Frank Oberbrunner (FDP) gesprochen, die zu diesen Fragen Rede und Antwort stehen.

Zehn Stunden in der Woche unterwegs

Volker Zeidler (SPD) ist Stadtverordneter

Jede Woche acht bis zehn Stunden Arbeit“ widmet Volker Zeidler der ehrennamtlichen politischen Arbeit. Das sei knapp geschätzt, denn öfter kämen auch deutlich mehr Stunden zusammen.

Lesen Sie auch:

- Nach turbulenter Sitzung: Politiker diskutieren über Parlamentskultur

- Schein und Wahrheit: Horst Seidenfaden über das Kasseler Stadtparlament

- Eindrücke aus dem Parlament: Kaiser spielt, Schäfer isst

Neben den Sitzungen des Stadtparlaments, seiner Ausschüsse und der SPD-Fraktion, der Zeidler angehört, hat er wie die meisten Stadtverordneten weitere Aufgaben. Zeidler gehört auch dem Zweckverband Raum Kassel (ZRK) mit regelmäßigen Verbandsversammlungen, Ausschuss- sowie Fraktionssitzungen an. Zudem sitzt er in der Regionalversammlung beim Regierungspräsidenten, auch dort fällt zusätzlich Ausschuss- und Fraktionsarbeit an. Zudem hat Zeidler als Aufsichtsrat der GWG die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt zu kontrollieren.

Für die ehrenamtliche Arbeit gibt es als kleinen finanziellen Ausgleich jeden Monat 50 Euro Fahrtkosten-Zuschuss und 350 Euro Aufwandsentschädigung für die Arbeit als Stadtverordneter. Als stellvertretender Stavo-Vorsteher bekommt Zeidler noch 100 Euro zusätzlich im Monat. Und für das Aufsichtsratsmandat gibt es weitere 500 Euro im Jahr. „Reich“, sagt Zeidler, „wird man damit nicht.“

Ganz im Gegenteil musste sich der pensionierte Polizeibeamte früher von seinen Kollegen vorhalten lassen, dass er viel zu oft mit seinem „SPD-Kram“ beschäftigt sei. „Man wird nicht für das Ehrenamt gelobt“, ist die Erfahrung des Sozialdemokraten nach jahrzehntelangem Engagement in der Kommunalpolitik.

Auch für die Familie sei das Ehrenamt oft eine zusätzliche Last. „Vieles nehmen Sie auch mit nach Hause“, beschreibt Zeidler die Erfahrung, dass man auch nach langen Debatten trotzdem zu Hause noch am Küchentisch weiter mit den Themen beschäftigt ist. (ach)

„Das alles neben dem normalen Job“

Frank Oberbrunner ist FDP-Fraktionschef

Ohne ein gutes Zeitmanagement und Führungsfähigkeiten sei diese Aufgabe nicht zu meistern, sagt Frank Oberbrunner. Er weiß, wovon er spricht: Seit 2006 engagiert sich der Rechtsanwalt neben seinem Hauptberuf ehrenamtlich als FDP-Fraktionsvorsitzender. „Man muss sehr viel koordinieren und managen“, sagt er: Vorlagen müssen studiert, viele Gespräche geführt, Anträge vorbereitet und formuliert und Fraktions- und Ausschusssitzungen mit zum Teil mit aufwendigen Recherchen vorbereitet werden. „Kleinere Fraktionen sind unter einem besonderen Druck“, sagt er. Schließlich müsse jeder Ausschuss besetzt sein. „Wenn da einer fehlt, kann nicht immer Ersatz geboten werden.“ Und wer einspringt, müsse sich schnell in ein ihm zunächst nicht vertrautes Sachgebiet einarbeiten.

Der Chef der dreiköpfigen FDP-Fraktion im Kasseler Stadtparlament schätzt, dass er im Schnitt vier bis fünf Stunden täglich in seine ehrenamtliche politische Tätigkeit investiert. Oberbrunner arbeitet gleichzeitig in mehreren Ausschüssen mit, darunter der Ausschuss für Wirtschaft, Finanzen und Grundsatzfragen sowie der Kulturausschuss.

„Und das alles neben dem normalen Job ,“ sagt der erfahrene Stadtparlamentarier. Das erfordere auch eine enge Absprache mit der Familie. Mit einem Hobby sei das nicht vergleichbar: „Es ist eine Aufgabe, die man übernommen hat, weil man sich verantwortlich fühlt und sich zum Wohle der Kommune engagieren will.“

Auch Sport helfe ihm dabei, einen Ausgleich zu finden. Frank Oberbrunner engagiert sich seit Jahren im Vorstand des Rudervereins Kurhessen-Cassel. Als Aufwandsentschädigung für seine Tätigkeit als FDP-Fraktionsvorsitzender erhält er monatlich 600 Euro. (hei)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.