Sicherheitsfirma Protex entschuldigt sich

Stadtverordneter mit türkischen Wurzeln kam nicht ins A7

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Im Gespräch: Der abgewiesene Gast Niyazi Karahan (links) mit Protex-Chef Ernesto Plantera vor dem A 7. Plantera entschuldigte sich für das Verhalten des Türstehers.

Kassel. „Ich habe mich noch nie so schlecht gefühlt, wie in diesem Moment“, sagt Niyazi Karahan aus Wolfhagen. Der 38-jährige Mann, der in Deutschland geboren wurde und türkische Wurzeln hat, wollte am Samstagabend mit seinem Neffen und dessen beiden Freunden in Kassel eine Disco besuchen.

Dies scheiterte aber, weil Karahan und seine drei Begleiter im Alter zwischen 18 und 20 Jahren jeweils an den Türstehern nicht vorbeikamen. Für einen Fall hat sich Ernesto Plantera, Chef des Sicherheitsdienstes Protex, am Dienstag entschuldigt. Karahan, der für die CDU im Wolfhager Stadtparlament sitzt, ist sich sicher, dass seine und die Herkunft der Jugendlichen der Grund gewesen ist, dass sie vor der Tür bleiben mussten. „Nachdem wir zunächst in Kneipen gewesen waren, wollten die Jungs unbedingt noch in eine Disko“, sagt Karahan.

Er fuhr mit den Jugendlichen gegen 1 Uhr deshalb nach Bettenhausen, zur Diskothek A 7. Die Gäste vor ihnen in der Schlange, es habe sich um Deutsche gehandelt, seien ohne Kontrolle in den Laden gekommen. „Wir wurden angehalten. Uns wurde gesagt, dass nur Clubgäste reinkommen“, sagt der 38-Jährige. Daraufhin habe er dem Türsteher mitgeteilt, dass die anderen Gäste gar nicht nach der Clubkarte gefragt worden seien. Die Antwort des Türstehers: „Die kennen wir alle.“

„Von Kanake zu Kanake, wir haben die Anweisung, so wenig Ausländer wie möglich reinzulassen.“

Türsteher, der gefeuert worden ist

Karahan konterte, dass er selbst solch eine Karte von einem Besuch vor fünf Jahren noch habe. Aber anstatt die Gruppe nun reinzulassen, habe der Türsteher ihn zur Seite gezogen und gesagt: „Von Kanake zu Kanake, wir haben die Anweisung, so wenig Ausländer wie möglich reinzulassen.“

Protex-Chef Plantera hat sich am Dienstag für das Verhalten des Türstehers bei Karahan entschuldigt. „Da haben wir einen Fehler gemacht.“ Der Türsteher habe erst seit drei Wochen für Protex gearbeitet und alle erforderlichen Prüfungen bestanden.Am Samstagabend habe der Mann sich durch sein Verhalten für die Arbeit als Türsteher allerdings disqualifiziert. Deshalb habe man sich bereits am Sonntag von dem Mann, der sich noch in der Probezeit befand, getrennt. „Wir haben erkannt, dass er nicht so gearbeitet hat, wie wir uns das vorstellen“, sagt Plantera.

Als er am nächsten Tag mit anderen Jugendlichen mit türkischem Hintergrund gesprochen habe, hätten die ihm mitgeteilt, dass solche Erlebnisse in Kasseler Diskotheken zur Tagesordnung gehörten, sagt Karahan. „Damit will ich mich aber nicht abfinden“, sagt der Stadtverordnete, der deutscher Staatsbürger ist. Auch mit Blick auf seine eigenen Kinder, die im Teenageralter sind. Seine Familie lebe nun in der dritten Generation in Deutschland und sei vollkommen integriert. „Da dürfen solche Vorfälle nicht mehr passieren.“

Hintergrund: „Harmonisch gemischte Publikumsstruktur“

Ernesto Plantera, Chef des Sicherheitsdienstes Protex, sagt, dass seine Mitarbeiter, die in verschiedenen Kasseler Diskotheken an der Tür stehen, keine Gäste abweisen, nur weil sie keinen deutschen Pass haben. Man lege Wert auf eine „harmonisch gemischte multikulturelle Publikumsstruktur“, sagt Plantera, der selbst einen italienischen Migrationshintergrund hat.

Unter seinen 150 Mitarbeitern seien viele verschiedene Nationalitäten vertreten. In den Diskotheken, in denen Protex arbeitet, gehörten viele Ausländer beziehungsweise Menschen mit Migrationshintergrund zu den Stammgästen. Man habe zum Teil einen Ausländeranteil von 50 Prozent. „Es werden ebenso viele deutsche Gäste an der Tür abgewiesen.“ Das passiere, wenn ein Laden sehr voll sei, potenzielle Gäste zu stark alkoholisiert oder auch falsch gekleidet seien.

Niyazi Karahan aus Wolfhagen und seine drei jugendlichen Begleiter waren in der Nacht zum Sonntag auch im Soda-Club an der Friedrich-Ebert-Straße nicht an der Türsteherin vorbeigekommen. Die Frau habe gesagt, dass „zwei Ausländer ja noch o. k., aber vier auf einmal gar nicht“ gingen, sagt Karahan. Plantera weist diese Darstellung zurück. Die drei Jugendlichen seien nicht in den Club gekommen, weil sie noch keine 21 Jahre alt sind. Dieses Alter sei im Soda aber Voraussetzung für den Einlass. (use)

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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