Mann kürzte selbst Strom- und Gasrechungen

Kasseler Energiepreis-Rebell gewinnt vor Gericht

Kassel. Ein Kunde der Städtischen Werke hat im Lauf von sieben Jahren seine Strom- und Gasabrechnungen um insgesamt etwa 1600 Euro gekürzt, weil ihm die Gründe für regelmäßige Preiserhöhungen nicht eingeleuchtet haben.

Vor dem Amtsgericht Kassel hat der Mann Recht bekommen: Die Städtischen Werke hätten keine ausreichende Begründung für die steigenden Kosten vorgebracht, heißt es in der Urteilsbegründung. Der Mann hatte sich erstmals im Jahr 2004 darüber geärgert, dass er spürbar mehr für Gas bezahlen sollte, obwohl Gas im Einkauf laut damaligen Medienberichten eigentlich billiger geworden sein müsste. Per Brief forderte er die Städtischen Werke auf, ihm Kalkulationsgrundlagen offenzulegen, aus denen nachvollziehbar hervorgehe, dass die Verteuerung wegen höherer Einkaufspreise erforderlich und angemessen sei.

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Bis er diesen Nachweis erhalte, so der Kunde, zahle er seinen Gas- und Stromverbrauch auf Basis der bisher gültigen Preise – zuzüglich eines Erhöhungsbetrages von zwei Prozent, den er selbst für angemessen halte.

Es folgte ein jahrelanges Hin und Her: Die Werke schickten jeweils Mahnungen über die Differenzbeträge, der Kunde verwies beharrlich auf sein ursprüngliches Schreiben. Im August 2008 drohten ihm die Werke eine Versorgungssperre an, mussten nach einer Gerichtsverfügung aber klein beigeben und auch den Rechtsbeistand des Energie-Rebellen bezahlen. „Ich bin ja kein Zahlungsverweigerer“, argumentiert dieser.

Über die Fehlbeträge aus zwei Einzelrechnungen strengten die Werke schließlich ein gerichtliches Mahnverfahren an – und unterlagen in diesen Fällen. Ob jemals grundsätzlich geklärt wird, wer Anspruch auf die einbehaltenen 1600 Euro hat, ist fraglich. Seit August ist der Mann Kunde bei einem anderen Strom- und Gasversorger. Bei den Städtischen Werken heißt es, in vergleichbaren anderen Fällen sei zu ihren Gunsten geurteilt worden. Es gebe keine einheitliche Rechtsprechung.

Von Axel Schwarz

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