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Städte in Hessen wollen Ausbreitung von Schottergärten eindämmen

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Pflanzen ragen aus einem Vorgarten mit grauen und schwarzen Kieselsteinen. In einigen Städten will man gegen die umstrittenen Schotter- und Steingärten vorgehen.

Kassel und weitere Städte in Hessen wollen der Ausbreitung der umstrittenen Stein- und Schottergärten entgegenwirken. Die sind nicht nur leblos - sondern vor allem schlecht fürs Klima.

Kassel und Wiesbaden planen derzeit eine Anpassung der kommunalen Grünsatzungen, um diese Art der Vorgartengestaltung einzudämmen, teilten die Sprecher der Städte mit. Die Landeshauptstadt habe bereits seit Ende der siebziger Jahre eine Vorgartensatzung, die eine qualitätsvolle gärtnerische Gestaltung der Vorgärten zum Ziel gehabt habe, sagte Sprecher der Stadt, Christian Fuest. "Da zum damaligen Zeitpunkt aber wohl niemand damit rechnete, dass es einmal Mode werden könnte, seinen Garten überwiegend zu schottern, blieb in der Vorgartensatzung ein gewisser Interpretationsfreiraum." 

Ämterübergreifende Arbeitsgruppe prüfen derzeit in beiden Städten, inwiefern man die Satzung anpassen und ökologisch wertlose Schottergärten verhindern könne. Laut Umweltamt in Kassel wirkt sich die Versiegelung durch Schotterflächen negativ auf Umwelt und Stadtklima aus. "Es kommt zu einer Aufheizung der Luft durch das hohe Wärmespeichervermögen dieser Flächen", teilte das Umweltamt mit. Temperaturanstiege führten zu Überwärmungszonen in der Stadt.

In Hanau sind Bebauungspläne bereits entsprechend angepasst und darin Steingärten verboten worden, sagte der Sprecher der Stadt, Joachim Haas-Feldmann. Auch in Neubaugebieten in Fulda enthalten einige Bebauungspläne bereits eine Klausel, die bestimmte Grünflächen vorschreibe und Schotterflächen verbiete, berichtete der Sprecher der Stadt, Johannes Heller.

Darum sind Schotter- und Steingärten schlecht für die Umwelt

In Schotter- und Steingärten werden Wiesen, Rasen und Beete durch Schotter und Kies ersetzt und der Boden oft mit Folien versiegelt. Auch der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) warnt vor den monotonen Steinwüsten, die besonders schlecht für die ökologische Vielfalt und das Klima in den Städten seien. "Steingärten bieten nicht nur keinen Lebensraum für Bienen und Insekten, sie wirken sich durch die aufgeheizten Steine im Sommer auch noch negativ auf das Stadtklima aus", sagte Naturschutzreferentin vom Nabu, Ann-Sybil Kuckuk. In der Debatte solle es aber letztlich nicht nur um Verbote gehen, sondern darum, wieder mehr Menschen für die Natur zu begeistern, so Kuckuk.

So sieht es in weiteren Städten mit Steingärten aus

Auch im Kreis Kassel sind Steingärten - vor allem in Neubaugebieten - immer häufiger präsent. „Das macht Schule, und es wird immer schlimmer“, sagte Manfred Henkel vom Nabu Kaufungen-Lohfelden im Sommer 2018 auf HNA-Anfrage. In Bremen sind die grauen Vorgärten ebenfalls nicht gerne gesehen: Dort arbeiten Politiker derzeit an einem Gesetz zur Begrünung von Freiflächen. (lhe)

In Frankfurt und Darmstadt sind keine Verbote von Schottergärten geplant. Mit Förderprogrammen wolle man dazu animieren, wieder mehr Grün an und hinter das Haus zu bringen, sagte Janina Steingrüber vom Umweltdezernat in Frankfurt. "Begrünungen auf dem Dach oder an der Fassade kühlen das Gebäude im Sommer und machen das Mikroklima in der Umgebung angenehmer", fügte sie hinzu. Die Stadt unterstütze solche Begrünungsaktionen mit bis zu 50 Prozent der Kosten.

Auch in Darmstadt gebe die Stadtverwaltung Zuschüsse für grüne Gärten und Fassadenbegrünung, sagte Stadtsprecher Daniel Klose. "Der heiße Sommer im vergangenen Jahr hat uns geholfen, das Programm zu bewerben", so Steingrüber. In der Frankfurter Innenstadt bleibe es aber weiterhin schwierig, grüne Flächen zu schaffen. "Wenn man da einen Baum pflanzen will, muss man erstmal schauen, was unten drunter alles noch ist", fügte sie hinzu.

In Offenbach und Marburg sind Steingärten nach Angaben der Stadtverwaltungen noch kein Problem. Zur Förderung der Artenvielfalt und Verbesserung des Stadtklimas gebe es Informationsmaterial für die Bürger und klimafreundliche Anreize. "In diesem Jahr haben wir zum Beispiel einen Wettbewerb, um Gärten und Balkone mit hoher biologischer Vielfalt auszuzeichnen", sagte die Sprecherin der Stadt Marburg, Patricia Grähling. (lhe)

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