2012 noch Platz 2 - jetzt Platz 20

Städteranking: Kassel rutscht immer weiter ab

Kassel. Nach dem aktuellen Städteranking des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Wirtschaftswoche belegt Kassel unter den dynamischsten Städten Deutschlands nur noch Platz 20.

Die Experten des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) erstellen jährlich zwei Rankings (Rangfolgen) der 69 deutschen Großstädte unter verschieden Gesichtspunkten. Zum einen wird das Niveau, also der Ist-Zustand der Städte bewertet, zum anderen deren Entwicklung im so genannten Dynamik-Ranking. Bei Letzterem liegt Wolfsburg vorn.

Insgesamt fließen 90 Indikatoren aus den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilien und Lebensqualität in die Analysen ein.

Das Niveau-Ranking:

In dieser Rangliste liegt Kassel auf Platz 48 von 69 Städten. Diese vergleichsweise schlechte Platzierung liegt daran, dass die negativen Faktoren besonders stark ins Gewicht fallen. München liegt auf Platz 1. Hier die Stärken und Schwächen Kassels, die beim Niveau-Ranking den Ausschlag gaben.

Die Schwächen:

• Kassels Einwohner haben zu viele Schulden. Der Anteil der überschuldeten Erwachsenen in Kassel liegt bei über 16 Prozent. Damit landet Kassel auf Platz 65 von 69.

• Noch zu wenige Schüler sind reif für die Universität: 31 Prozent der Schulabgänger verlassen Kasseler Schulen mit einer Hochschulzugangsberechtigung. In Vergleichsstädten lag der Wert bei 41 Prozent. Rang: 63.

• Die Entwicklung bei den Gewerbebetrieben ist leicht rückläufig: Der Saldo aus Gewerbean- und abmeldungen liegt bei -0,7 je 1000 Einwohner. Rang: 65.

Die Stärken:

• Der Tourismus in Kassel boomt: In Kassel werden pro Jahr knapp fünf Gästeübernachtungen je Einwohner gezählt. Im Durchschnitt kommen die Städte auf 3,6 Übernachtungen pro Einwohner. Damit liegt Kassel auf Platz 19 von 69.

• Kassel steht im Technikbereich gut da: Der Anteil der Ingenieure an allen Beschäftigten liegt bei drei Prozent. Damit erreicht die Stadt Rang 26.

• Der Gewerbesteuerhebesatz liegt in Kassel bei 440 Prozent. In Vergleichsstädten liegt er durchschnittlich bei 448, was Rang 25 für Kassel bedeutet. Mit dem Gewerbesteuerhebesatz konkurrieren die Gemeinden um die Standortwahl der Firmen. Bei einem höheren Hebesatz erhält die Kommune mehr Steuereinnahmen, geht jedoch die Gefahr ein, dass Betriebe sich für andere Standorte entscheiden.

Das Dynamik-Ranking:

Bei dieser Vergleichsanalyse landete Kassel 2011 auf Platz 1. Im aktuellen Ranking erreicht die Stadt noch Platz 20 von 69. Hier die Faktoren, die das Abschneiden positiv wie negativ beeinflusst haben.

Die Schwächen:

• Die Betreuungsquote bei den Drei- bis Sechsjährigen ist in Kassel vergleichsweise schlecht. Rang: 63.

• Die Arbeitslosenquote der Jugendlichen veränderte sich in Kassel zwischen 2008 und 2013 nur um 0,1 Prozentpunkte. Platz 49 im Vergleich.

• Die Wirtschaftsleistung (BIP) sank zwischen 2008 und 2012 um 0,8 Prozent. Rang: 62.

• Die Einwohnerentwicklung ist zwar immer noch positiv, es gibt also noch mehr Zuzüge als Wegzüge, aber der Zuzug hat sich im Vergleich zu Vorjahren abgeschwächt.

Die Stärken:

• Kassel wird als Wohnstandort attraktiver. Der Beleg: Die Mietpreise für Neuvermietungen sind in Kassel zwischen 2009 und 2014 um 28,8 Prozent gestiegen. In anderen Städten lag der Anstieg im Schnitt bei 15 Prozent. Damit erreicht Kassel Platz 4.

• Der Rückgang beim Anteil der Hartz-IV-Bezieher war in Kassel zuletzt überdurchschnittlich hoch. In Kassel lag er bei - 2,5 Prozentpunkten. Damit erreicht Kassel Platz 2.

• Die Frauenbeschäftigungsquote stieg zwischen 2008 und 2013 in Kassel um 5,6 Prozentpunkte. Im Durchschnitt der Großstädte gab es nur einen Anstieg von 4,4 Prozentpunkten. Rang 14 für Kassel.

Von Bastian Ludwig

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