Weniger Straftaten und bessere Kinderbetreuung

Im Städteranking vor Hamburg: Die Tops und Flops von Kassel

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In der Rangliste der dynamischsten Städte Deutschlands belegt Kassel den 17. Platz. Damit steht die nordhessische Großstadt einen Rang besser als die Elbmetropole Hamburg. 2011 konnte Kassel in diesem Ranking gar den 1. Platz belegen.

Kassel belegt in der Rangliste des Instituts der deutschen Wirtschaft, der „Wirtschaftswoche“ und von Immobilienscout 24 im Dynamikranking den 17. Platz. Wir zeigen, wo Kassel top und flop ist.

Kassel bleibt eine der dynamischsten Städte Deutschlands. Gerade hinsichtlich der Kinderbetreuung der Drei- bis Sechsjährigen konnte sich Kassel in den vergangenen fünf Jahren im Vergleich zu den 69 anderen untersuchten Großstädten stark verbessern und liegt hier auf dem achten Platz des Dynamikrankings. Außerdem ging die Zahl der registrierten Straftaten in diesem Zeitraum stark zurück (Platz neun). Leicht rückläufig entwickelte sich hingegen der Pendlersaldo – also wie viele Menschen nach Kassel pendeln, um hier zu arbeiten, beziehungsweise auspendeln, um andernorts ihrem Beruf nachzugehen. 

Untersucht wurden für das Ranking 70 deutsche Großstädte ab 100.000 Einwohnern, die in drei verschiedenen Kategorien gelistet sind: hinsichtlich ihrer Dynamik, also ihrer Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren, und hinsichtlich ihres Ist-Zustands, genannt Niveau-Ranking. Seit drei Jahren gibt es außerdem eine Rangliste der Städte mit der besten Zukunftsperspektive. Ausschlaggebend für die Platzierungen sind Faktoren der Wohn-, Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftssituation der Städte. Im Niveau-Ranking belegt Kassel den 47. Rang (Vorjahr: 45). In Sachen Zukunftsperspektive rutscht Kassel um vier Plätze auf Rang 34. 

Vor sechs Jahren wurde Kassel im Dynamik-Ranking überraschend auf Platz eins vor Leipzig geführt. Dort rangiert in diesem Jahr Ingolstadt. Seit 2011 blieb Kassel stets unter den Top 20 der dynamischsten Städte. 

Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) erstellt jährlich drei Rankings deutscher Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern unter verschiedenen Gesichtspunkten. Zum einen wird das Niveau – also der Ist-Zustand der Städte – bewertet, zum anderen deren Entwicklung innerhalb der vergangenen fünf Jahre im sogenannten Dynamikranking sowie seit 2015 die Zukunftsperspektive der Städte.

Der Zukunftsindex

Der Zukunftsindex stuft die Städte hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit ein. Dem Ranking zugrunde liegen Faktoren wie Breitbandversorgung, Zahl der Patentanmeldungen und Forschungsinstitute, Anteil der Hochqualifizierten, Ingenieurquote, Zahl der Künstler und der Opern- und Theaterbesuche. Kassel belegt im Zukunftsindex den 34. Platz. Erster ist Darmstadt, letzter Bottrop.

Die Schwächen:

• Schnelles Internet scheint in Kassel im Vergleich zu anderen Städten auch in Zukunft noch Mangelware zu sein. Bei der Breitbandversorgung – also einer Internetverbindung mit über 50 Mbits pro Sekunde – belegt Kassel nur Rang 51 von 70.

• Auch was die Quote der Beschäftigten im Bereich Forschung und experimentelle Entwicklung (FuE) angeht, sieht die Prognose für Kassel mäßig aus. Platz 46 bedeutet unteres Mittelfeld im Tableau.

Die Stärken:

• Richtig gut ist hingegen das erwartete Interesse der Kasseler an kulturellen Angeboten. Bei den prognostizierten Theater- und Opernbesuchen liegt Kassel auf Platz 8.

• Noch mehr scheint sich Kassel zur Künstlermetropole zu mausern. Hinsichtlich des Potenzials der im Kreativbereich Beschäftigten rangiert Kassel im Zukunftsindex auf Platz 18.

Das Niveauranking

Für Niveau- und Dynamik-ranking fließen insgesamt 92 Indikatoren aus den vier Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilienmarkt und Lebensqualität in die Analysen mit ein. Im Niveauranking liegt Kassel auf Platz 47 von 70 Städten. Diese vergleichsweise schlechte Platzierung liegt daran, dass die negativen Faktoren besonders stark ins Gewicht fallen. München liegt auf Platz eins. Schlusslicht ist Gelsenkirchen.

Die Schwächen:

• Kassels Einwohner haben zu viele Schulden. Der Anteil der privat Überschuldeten über 18 Jahren ist mit 16,4 Prozent überdurchschnittlich hoch. Damit landet Kassel auf Platz 62 von 70.

• Die Quote der beschäftigten Frauen in Kassel ist zu gering. Lediglich 48 Prozent der erwerbsfähigen Einwohnerinnen gingen 2016 einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Bei einem bundesweiten Mittel von 51,6 Prozent landet Kassel hier nur auf Platz 57.

Die Stärken:

• Kassel bietet attraktive Arbeitsplätze. Das belegen die Pendlerzahlen. Es pendeln mehr Leute nach Kassel ein als aus Kassel heraus: Rang 17.

• Kassel ist eine Gründerstadt. 2015 konnte die Stadt 31,9 Unternehmensgründungen je 10 000 Erwerbsfähige vorweisen (Mittelwert: 28,8). Das macht Platz 19 für Kassel.

Das Dynamikranking

Hinsichtlich der Entwicklung zwischen 2011 und 2016 ist Kassel vorne mit dabei. Platz 17 vor Hamburg und nur ganz knapp hinter Wolfsburg bedeutet die siebte Top-20-Platzierung in Folge seit dem Überraschungserfolg 2011. Erster ist Darmstadt, letzter Bottrop.

Die Schwächen:

• Der Pendlersaldo ist zwar positiv (siehe Niveauranking), aber in den vergangenen fünf Jahren leicht rückläufig. Hier belegt Kassel nur Rang 50.

• Der Anteil der Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungsbranchen stieg in den vergangenen fünf Jahren nur minimal um 0,2 Prozentpunkte (Mittelwert: 0,9). Das bedeutet Rang 53.

Die Stärken

• Kassels Kinderbetreuungsquote ist top. Im Bereich der Drei- bis Sechsjährigen stieg sie im Untersuchungszeitraum um 4,3 Prozent (Durchschnitt: 0,5 Prozent). Das bedeutet einen starken 8. Platz.

• Die Kriminalität sinkt – und zwar um ganze 13,5 Prozent je 100 000 Einwohner (Mittelwert: 3,2). Das bedeutet Rang 9. 

Hintergrund: Diese Faktoren werden bewertet

Eine Rolle bei der Erstellung der Ranglisten spielen unter anderem folgende Entwicklungen: Zahl der Unternehmensgründungen,Steuereinnahmen der Stadt, Wirtschaftskraft, Arbeitslosenquoten, Akademikerquoten, Gästeübernachtungen, Bevölkerungsab- und -zuwanderung, Kita-Versorgung, private Schulden, entstandene Neubauten, aber auch Straftaten und Aufklärungsquote. 

Mehr Infos im Internet: www.iwd.de

Das sagt Oberbürgermeister Christian Geselle zum Ranking:

Christian Geselle

"Die Studie belegt, dass Kassel seinen Platz unter den 20 dynamischsten Wirtschaftsstandorten in Deutschland gefestigt hat. Unsere Wirtschaft besitzt mittlerweile ein breites und festes Fundament. Das belegen die hervorragenden Arbeitsmarktzahlen und die überaus erfreuliche Entwicklung des Gemeindeanteils an der Einkommenssteuer. Die Gewerbesteuerzahlen haben sich mittlerweile auf einem hohen Niveau eingependelt."

Geselle weiter: „Insbesondere bei der Kinderbetreuung gehört unsere Stadt mittlerweile zu den Top-10-Metropolen.“ Hier wolle man weitere Akzente setzen. „Im kommenden Jahr sollen in Kassel – auch unter Einbezug der freien Träger – über 500 neue Kita-Plätze hinzukommen. Ich möchte, dass Kassel zu einer der besten Adressen für Arbeiten, Leben und Wohlfühlen – zum besten Zuhause – in der Mitte Deutschlands wird.“

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