Städtische Unternehmen: Gebaut wird in Kassel auf Pump

In der Kreide: Mit den Verbindlichkeiten der Unternehmen, die der Stadt Kassel ganz oder teilweise gehören, erreicht der städtische Schuldenberg eine Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Illustration: Köberich

Kassel. Wer baut oder im großen Stil saniert, braucht Geld. Das gilt auch für die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG). Das städtische Unternehmen hat in der Vergangenheit hohe Darlehen aufgenommen und nun Schulden in Höhe von 176 Millionen Euro.

Fünf Millionen zahlt die GWG im Jahr allein an Zinsen. Geschäftsführer Peter Ley kann trotzdem ruhig schlafen. „Die Immobilienwerte der GWG sind deutlich höher als die Verbindlichkeiten“, sagt er. Die Häuser und Wohnungen des städtischen Unternehmens lägen im Wert 25 Prozent darüber. Dass die Tagungszentrum Stadthalle (TSK) GmbH mit 24 Millionen Euro in der Kreide steht, nimmt Ley, der auch TSK-Geschäftsführer ist, ebenso gelassen. Mit dem kreditfinanzierten, gut sechs Millionen Euro teuren Ausbau des Kongress Palais Stadthalle steige der Gebäudewert von 42 auf 60 Millionen Euro.

Allerdings sind das theoretische Werte. Denn die Stadt wird ihre eigenen Gebäude und Straßen, die solchen Berechnungen zugrunde liegen, kaum verkaufen. Die Schulden bleiben und müssen getilgt werden.

Die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) hat für die Zwischenfinanzierung der Bautätigkeit am Klinikum, die vom Land mit zehn Jahresraten in Höhe von 7,4 Millionen Euro gefördert wird, 72 Millionen Euro aufgenommen, die Ökomed GmbH weitere fünf Millionen. Der Ausbau des Kasseler Großkrankenhauses ist mit 116,5 Millionen Euro veranschlagt. Die GNH betont, die Bankverbindlichkeiten sollten immer mit den Eckdaten gesehen werden, wie der wirtschaftlichen Eigenkapitalquote von 52,8 Prozent sowie zuletzt einem Gewinn in Höhe von 4,8 Mio. Euro. Sprich: Das Unternehmen sei gesund.

Die Stadthalle bleibt dagegen trotz der guten Auslastung ein Zuschussgeschäft. Jahr für Jahr zahlt die Stadt 1,3 Millionen Euro an die TSK, deren alleiniger Gesellschafter sie ist. Doch selbst das reicht nicht aus, um die Kosten zu decken. Der Ausbau der Stadthalle und weitere Investitionen sollen dies ändern.

Mit der kaufmännischen Buchführung, die 2006 in Kassel eingeführt wurde und das alte kameralistische System ablöste, werden die Folgekosten der Investitionen auf Pump wie Zins und Tilgung deutlicher ausgewiesen als dies früher der Fall war.

Von einem Gesamtabschluss, wie ihn der Steuerzahlerbund fordert und der ab Ende 2015 verpflichtend wird, ist die Stadt aber noch weit entfernt. „Das ist mit einem Riesenaufwand verbunden“, sagt Kämmereileiter Rolf Hedderich über die geforderte Bilanz für den Konzern Stadt. Möglicherweise werde man die Verbindlichkeiten der großen Gesellschaften einbeziehen, wenn der Aufwand vertretbar sei.

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