Drückerkolonnen unterwegs

Falsche Stromwerber sorgen für Verunsicherung

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Stefan Welsch

Kassel. Die Städtischen Werke haben derzeit geballten Ärger mit betrügerischen Drückerkolonnen, die an Haustüren, auf Super- und Baumarktparkplätzen Menschen ansprechen und sie mit rüden Methoden zum Abschluss von Stromlieferverträgen nötigen wollen.

Dabei geben die Werber wahrheitswidrig vor, im Auftrag des Kasseler Energieversorgers unterwegs zu sein.

„Die tragen sogar Kleidung mit unserem Namen“, berichtet Werke-Vorstand Stefan Welsch. Aus ganz Nordhessen müsse das Unternehmen in diesen Tagen Beschwerden verunsicherter Kunden beantworten, die von aggressiven Strom-Drückern eingeschüchtert, beschimpft und beleidigt worden seien. „Doch mit uns haben diese Werber nichts zu tun“, bekräftigt Welsch.

Tipps zum Umgang mit Drückern

Zum Umgang mit Drückern an der Haustür und an Werbeständen raten Polizei und Städtische Werke:

• Lassen Sie sich immer den Ausweis zeigen. Notieren Sie die Personalien des Werbers sowie den Namen der Institution, für die er angeblich unterwegs ist.

• Im Zweifel: Rufen Sie an – bei Fragen an die Städtischen Werke unter Tel. 0561 / 782-3030, falls Sie bedrängt werden die Polizei unter Telefon110.

• Auch wenn Sie ein Angebot interessiert: Lassen Sie sich Unterlagen geben, unterschreiben Sie grundsätzlich nichts an der Haustür oder auf der Straße.

• Informationen zum Thema auch im Polizeiladen an der Wolfsschlucht 5. Dort gibt es auch Aufkleber gegen unerwünschte Haustürgeschäfte. (asz)

Die Städtischen Werke wüssten zwar, dass die Drücker „für einen bekannten Energiekonzern“ tätig seien, könnten dessen Namen allerdings nicht öffentlich machen. „Normalerweise würden wir rechtlich dagegen vorgehen, dass unser Name missbraucht wird“, sagt Welsch. Das Problem sei aber, dass die Drücker mit ihren Einschüchterungsmethoden offenbar Erfolg hätten. Von den Angesprochenen, die sich bei den Werken beschweren, „traut sich fast niemand, seinen Namen zu nennen oder gar vor Gericht auszusagen“. So lasse es sich für die Städtischen Werke kaum mit juristischen Mitteln belegen, „welches große Unternehmen es nötig hat, auf solche Vertriebsmaschen zu setzen“.

Die Werke haben im Stadtgebiet knapp 100.000 Energiekunden, außerhalb Kassels gut 50.000. Zur Kundenwerbung setze das Unternehmen ebenfalls Vertriebsmitarbeiter ein, sagt Welsch. Diese aber seien „intensiv geschult“, würden höflich auftreten und sich auch ausweisen können – anders als die Drücker, die auf entsprechende Anfragen hin behaupten würden, es gäbe einen solchen Ausweis nicht.

Bei den eigenen Werbemaßnahmen, so Welsch, stünden „vertrauensvolle Kundenbeziehungen im Vordergrund, nicht schnelle Vertragsabschlüsse um jeden Preis“. Das zahle sich für das Unternehmen aus: „Wir haben fast niemanden, der innerhalb der gesetzlich geregelten 14-tägigen Rücktrittsfrist seine Unterschrift zurückzieht.“

14 Tage Rücktrittsfrist

Wer hingegen überrumpelt worden sei und einen Vertrag bei einem anderen Stromanbieter gegen seinen Willen unterzeichnet habe, könne problemlos innerhalb von zwei Wochen schriftlich kündigen. Auch die Verbraucherzentralen seien die richtige Anlaufstelle, um aus solchen unseriösen Abschlüssen wieder herauszukommen.

Von Axel Schwarz

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