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Ständig Ärger beim E-Auto-Laden

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Von: Christina Hein

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E-Auto-Fahrer Norbert Winkler hat wenig Freude an der Ladestation am Friedrichsplatz.
Verärgert: E-Auto-Fahrer Norbert Winkler hat wenig Freude an der Ladestation am Friedrichsplatz. © Christina Hein

Ärger an der Ladestation für E-Autos. Kasseler kritisiert das ungeregelte Parkprinzip

Kassel – Norbert Winkler ist stinksauer. Seit drei Jahren fährt er – als umweltbewusster Bürger, wie er sagt – ein E-Auto. Mit der Infrastruktur, die der Bettenhäuser für seinen VW ID.3 in Kassel vorfindet, ist er jedoch unzufrieden. Häufig ist er entnervt.

Gefühlt sei die von ihm bevorzugte Ladestation am Friedrichsplatz ständig außer Betrieb. Oder zwei Autos blockierten die insgesamt vier Lademöglichkeiten, und er finde keinen Platz. Jetzt soll er ein 55-Euro-Knöllchen begleichen, weil er auf dem bis zu drei Stunden kostenfreien E-Auto-Parkplatz stand und keinen Strom getankt hat. „Nicht vorsätzlich“, so Winkler, „sondern, weil die Ladestation mal wieder nicht funktionierte.“

Nicht immer funktionsbereit: Ladesäulen für E-Autos in der Innenstadt.
Nicht immer funktionsbereit: Ladesäulen für E-Autos in der Innenstadt. © Hein, Christina

Auch an dem Tag, als wir uns verabredet haben, funktioniert nur eine der beiden Ladestationen. An der anderen ist ein Wagen angeschlossen. „Bis eben stand hier ein Auto auf zwei Parkplätzen“, erzählt Winkler. Der Fahrer kam und wollte die Parkuhr weiterdrehen. Als ihn Winkler darauf hinwies, dass er für andere Platz machen sollte und er eine Verabredung mit der Presse habe, sei der Tesla-Fahrer fortgefahren.

„Die Parksituation ist der Knackpunkt“, so Winkler. E-Autos dürfen an der Station drei Stunden lang kostenfrei parken. Um Strom zu tanken. Und sonst? Als Winkler im Sommer zum Friedrichsplatz fuhr, um zu laden und zu parken, war die Säule mal wieder außer Betrieb. Auf seine Frage an einen Polizisten in der Nähe, ob er mit Parkscheibe stehen bleiben könne, gab es Schulterzucken. Wenn das Auto nicht betankt würde, schrieben manche Stadtpolizisten auf, manche nicht, so die Auskunft. „Dabei hätte ich ja gerne Strom getankt“, sagt Winkler „und gleichzeitig in der Stadt Erledigungen gemacht.“

Laut Beschilderung ist das Abstellen eines Fahrzeugs an diesem Standort nur dann erlaubt, wenn dieses durch ein „E“ im amtlichen Kennzeichen erkennbar ist und es für den Zeitraum des Abstellens dort auch geladen wird - das heißt: „Die Ladeverkabelung des Fahrzeuges muss mit der Ladesäule verbunden sein.“ Während des Gesprächs mit Winkler kommt ein junger Mann zu seinem Auto, das Ladekabel ist angeschlossen. Doch geladen wurde nicht. Er hatte auf dem Display den Hinweis „Emergency shutdown“ übersehen und nicht bemerkt, dass die Ladesäule defekt ist.

„Sehen Sie, und das würde ich nicht machen, nur um hier parken zu können“, sagt Winkler: „Wer weiß, was die defekte Ladesäule mit meiner Batterie anstellt. Die kostet ein Vermögen, das ist mir zu riskant.“ Als Verbesserung der Parksituation schlägt er vor, die vier Parkbuchten entsprechend zu markieren. Grundsätzlich könnten mehr Ladestationen in der Stadt sein, findet Winkler.

Auf Nachfrage bei der Stadt Kassel zur Situation am Friedrichsplatz kam die Antwort: „Ein Abstellen ohne Ladevorgang ist in diesem Bereich nicht gestattet.“ Auch nicht, wenn die Ladesäule außer Berieb ist. Außerdem seien die weiteren Einschränkungen durch die Zusatzkennzeichnung zu beachten, zeitliche Begrenzung von drei Stunden zwischen 8 und 18 Uhr und der daraus erwachsenden Verpflichtung, die Parkscheibe zu nutzen.

Auf dem Display steht auf Englisch, dass die E-Ladestation nicht funktioniert.
Auf dem Display steht auf Englisch, dass die Ladestation nicht funktioniert. © Hein, Christina

Beim Ladevorgang in diesem Bereich gelte, Fahrzeuge so abzustellen, dass die anderen Verkehrsteilnehmer nicht unnötig behindert und die baulich für das Längshalten ausgestalteten Ladebuchten nicht querhaltend genutzt werden. Die Verkehrsüberwachung ahnde entsprechend. „Gegebenenfalls kann abgeschleppt werden“, so ein Stadtsprecher. Dem Vorwurf, die Ladesäulen der Städtischen Werke am Friedrichsplatz seien oft defekt, widerspricht er. Eine der Säulen habe zwar in der Vergangenheit Probleme gehabt. Diese seien aber im vergangenen Jahr bereinigt worden. Um das zu verdeutlichen führt er eine Statistik der Städtischen Werke an: Im Jahr 2022 seien am Standort Friedrichsplatz 4756 Ladevorgänge verzeichnet worden. Das lasse nicht auf einen großflächigen Ausfall schließen. Wartungen fänden einmal im Jahr statt.

Vor der documenta seien die Säulen für einen begrenzten Zeitraum nicht in Betrieb gewesen: wegen einer notwendigen eichrechtskonformen Umrüstung.

Die Städtischen Werke betreiben in Kassel 132 Ladesäulen mit 266 Ladepunkten. Diese sind nicht alle öffentlich zugänglich beziehungsweise nicht täglich 24 Stunden öffentlich zugänglich.

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