Ehemaliger Insider packt aus

Wohnungsprostitution: „Es hat ständig Ärger gegeben“

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Werbung an der Wohnungstür: Mit Postern machen die Frauen auf ihre Liebesdienste aufmerksam.

Kassel. Streit ums Geld, demolierte Wohnungen, Preiskampf: Es klingt düster, was ein ehemaliger Insider über die Wohnungsprostitution im Kasseler Osten berichtet.

In einem Haus an der Leipziger Straße, in dem Frauen ihre Liebesdienste anboten, seien die Probleme so gravierend gewesen, dass es geschlossen wurde. „Das hat ständig Ärger gegeben wegen der Bezahlerei.“

Mit dem Zuzug von Rumänen und Bulgaren, die ins Rotlichtmilieu drängten, seien die Probleme gewachsen. Die Frauen hätten ihre Zuhälter gleich mitgebracht, die an ihnen verdienten. Die Mietzahlungen, der Anteil für die Zuhälter und ein bisschen Geld für sie selbst - die Sexarbeiterinnen müssten mit ihrem Verdienst viele Ansprüche befriedigen. Um mehr Kundschaft zu bekommen, würden sie sich zu Dumpingpreisen anbieten. „Manche machen es für 15 Euro ohne Gummi.“ Rumänen und Bulgaren hätten die Preise im Rotlichtmilieu kaputt gemacht. „Die machen auch sonst viel kaputt“, sagt er und schimpft. „Das sind Höhlenbewohner.“

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Durch die gewerbliche Zimmervermietung, mit der Eigentümer ehemalige Wohnhäuser wie am Schwanenweg und an der Leipziger Straße in Bordelle umwandeln, könne sich jede Hausfrau prostituieren. „Es gibt kein Sperrgebiet mehr.“ In dem inzwischen geschlossenen Haus hätten einige der Prostituierten wie 15-jährige Mädchen ausgesehen, seien laut Ausweis aber 18 gewesen. Dass sie noch so jung seien, kümmere offenbar niemanden. „Die lassen alles über sich rutschen.“

Der Polizei sind die Adressen in der Regel bekannt. Laut Jörg Kruse, Leiter des Kommissariats für Sittendelikte und Milieustraftaten, wird dort regelmäßig kontrolliert. Dabei achte man auch darauf, wer sich in der Wohnung aufhält, ob die Frauen eingeschüchtert aussehen, Verletzungen aufweisen und möglicherweise Opfer von Menschenhandel seien. Um den Kunden öfter neue Frauen anbieten zu können, wechselten sie oft zwischen den Häusern.

Die Fachberatung Franka des Diakonischen Werks macht die in den Häusern arbeitenden Frauen auf ihre Hilfsangebote aufmerksam. Franka bietet Opfern von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung umfassende Hilfe an. Für Schlagzeilen gesorgt hatte in diesem Jahr der Fall einer jungen Bulgarin, die in einem Haus am Schwanenweg gegen ihren Willen festgehalten und zur Prostitution gezwungen worden war. Das Zuhälterpaar, ein 44-jähriger Grieche und seine 32-jährige bulgarische Lebensgefährtin, wurden zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und sind wieder auf freiem Fuß.

Von Ellen Schwaab

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