Prozess: Stalker ließ mit raffiniertem Zeitzünder Auto in Flammen aufgehen

Kassel. Eine DNA-Spur an einem Gummiband hat einen 56-jährigen Kasseler der Brandstiftung überführt.

Die 7. Strafkammer des Landgerichts verwarf am Mittwoch die Berufung des Angeklagten gegen ein Urteil des Amtsgerichtes und verurteilte den Mann zu einer Bewährungsstrafe von 13 Monaten.

Außerdem muss er dem Lebensgefährten seiner früheren Freundin den Schaden von 3650 Euro an seinem Auto ersetzen.

Die Kammer folgte damit dem Strafantrag von Staatsanwalt Christopher Roth, der von einem „Beweismosaik“ gesprochen hatte. Verteidiger Marcus Mauermann hatte Freispruch für seinen Mandanten gefordert.

Nach Überzeugung der Kammer hatte der Hartz-IV-Empfänger mit abgeschlossenem Architektur-Studium am 23. April 2012 in der Garage seines Nebenbuhlers in Wilhelmshöhe 32 mit Benzin gefüllte Gefrierbeutel auf und um das Lieberhaberstück - einen 16 Jahre alten Honda - herum platziert. Dazu legte er 23 Grillanzünder und zündete Kerzen an.

Der Zeitzünder funktionierte, ein Teil der Beutel entzündete sich, das Auto wurde durch die Flammen schwer beschädigt. Das Feuer erlosch wegen Sauerstoffmangels.

Die Brandstiftung war der Höhepunkt eines jahrelangen Stalkings, dem die Ex-Freundin des Angeklagten ausgesetzt war. Die Frau hatte die Beziehung Mitte 2010 nach zwei Jahren beendet und schilderte gestern als Zeugin zeitweise unter Tränen, wie ihr der Angeklagte nachgestellt habe.

SMS, E-Mails, Briefe, Anrufe mit verstellter Stimme und immer wieder Dinge in ihrem Briefkasten waren das eine. Häufig wurde der Mann von Nachbarn und der Frau gesichtet, wie er nachts hinter Büschen, unterm Balkon und auf der Straße rund um die Wohnung der Frau „herumschlich“, die Wohnung mit dem Fernglas beobachtete.

Ein Jahr vor dem Brand hatte er laut Zeugenaussagen schon einmal versucht, in die Garage der Frau zu gelangen.

Der Göttinger Psychologe Dr. Georg Stolpmann bescheinigte in seinem Gutachten dem Angeklagten eine kombinierte narzistische und paranoide Persönlichkeitsstörung, die zu einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit führe. Der Egozentriker sei unfähig zur Selbstkritik und habe die Zurückweisung durch die Frau als Kränkung empfunden, die er einfach nicht überwinden konnte.

Das sah auch Richter Reichhardt so: „Sie haben die Trennung nicht verkraftet, das Stalking gipfelte in dem Feuer“, sagte er in seiner Urteilsbegründung zu dem Angeklagten, der ihm mit versteinertem Gesicht zuhörte.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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