28-Jähriger aus Kassel muss sich aber weiter wegen Bedrohung und Körperverletzung verantworten

Stalking-Anklage überraschend geplatzt

Kassel. Überraschende Wendung im Prozess gegen einen 28-Jährigen aus Kassel: Ob der Mann einer Mitarbeiterin der psychiatrischen Klinik Merxhausen so massiv nachgestellt hat, dass diese schließlich therapeutische Hilfe benötigte, wurde nicht mehr vor dem Landgericht verhandelt. Das Verfahren wegen Stalkings wurde aus prozessrechtlichen Gründen eingestellt.

Zuvor hatte Oberstaatsanwältin Andrea Boesken die Vorwürfe noch vorgetragen: Der Patient habe sich in die Klinikmitarbeiterin verliebt. Als er abgewiesen wurde, habe er der Frau sexuelle Belästigung vorgeworfen und die Station verlassen müssen. Immer wieder habe er die Mitarbeiterin mit Anrufen in der Klinik drangsaliert und ihr gedroht. Er habe mehrfach versucht, ihre neue Adresse herauszufinden. Bei einem dieser Versuche habe er in der früheren Wohngemeinschaft der Frau eine Tür demoliert.

Insgesamt setzte sich der Stalking-Vorwurf aus über 20 Teilakten zusammen. Einer davon, die Zerstörung der Tür, war parallel als Sachbeschädigung angezeigt worden. Dafür handelte sich der 28-Jährige einen Strafbefehl ein. Dass dieser bereits rechtskräftig ist, machte dann die Stalking-Anklage zunichte: Der Mann darf nicht noch einmal wegen der Sachbeschädigung angeklagt werden. Dieser Einzelvorwurf durfte aber auch nicht mehr aus dem Paket der bereits zugelassenen Stalking-Anklage gelöst werden.

Trotzdem ist der Prozess gegen den 28-Jährigen nicht zu Ende. Er bleibt angeklagt, eine weitere Frau beleidigt und bedroht zu haben. Er gab an, sich von ihr und Personen in ihrem Umfeld beleidigt und gedemütigt zu fühlen. Konkrete Anhaltspunkte für Bedrohungen, die er seinerseits zu fürchten angab, konnte er dem Gericht nicht geben. Er räumte ein, selbst einmal ein Messer gezückt zu haben: „Ich habe es ein bisschen rausgezogen - aber auch gleich wieder zurückgesteckt.“ Bewaffnet habe er sich aus Furcht.

Weiter verhandelt werden auch Vorwürfe, der 28-Jährige habe bei einer Einweisung in eine Klinik in Bad Emstal einen Krankenpfleger und einen Polizisten verletzt.

Eine Unterbringung des Angeklagten in einer forensischen psychiatrischen Klinik hatte das Oberlandesgericht Frankfurt im Januar aufgehoben. Der Beschluss war überwiegend mit dem Stalking-Vorwurf begründet worden.

Von Katja Schmidt

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