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Kaufhaus-Standort in Kassel seit mehr als 100 Jahren

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Von: Thomas Siemon

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Neubau: So sah der Kaufhof im Oktober 1955 aus.
Neubau: So sah der Kaufhof im Oktober 1955 aus. © Privat/nh

Vom Kaufhaus Tietz über die Bombennacht bis zum Neubau 1955 und dem aktuellem Umbau gab es am Kasseler Opernplatz immer einen zentralen Einkaufsort.

Kassel – Selbst die ältesten Einwohner Kassels kennen die Obere Königsstraße am Opernplatz nur mit einem großen Kaufhaus. Das ist so ähnlich wie mit der Straßenbahn. Ohne den Kaufhof (heute Galeria) würde etwas fehlen in der Stadt.

Das hängt für die Jüngeren sicherlich auch damit zusammen, dass allein die spindelförmige Zufahrt zum Parkhaus von der Neuen Fahrt eine Attraktion ist. Vom obersten Parkdeck unter freiem Himmel mit seiner großartigen Aussicht ganz zu schweigen. Nicht nur zur documenta, wo es hier für 100 Tage eine Gastronomie gab, ist das ein außergewöhnlicher Ort.

Rückblick: So sah das Kaufhaus Tietz mit seinen damals schon sehr großen Schaufensterfronten aus. Es öffnete 1911 seine Türen. Die Aufnahme stammt aus den 1930er-Jahren.
Rückblick: So sah das Kaufhaus Tietz mit seinen damals schon sehr großen Schaufensterfronten aus. Es öffnete 1911 seine Türen. Die Aufnahme stammt aus den 1930er-Jahren. © Stadtmuseum/nh

Der Standort hat Tradition und eine wechselvolle Geschichte. Die begann im Jahr 1911 mit der Eröffnung des Kaufhauses Tietz. Das repräsentative Gebäude mit seinen großen Schaufensterfronten war von Anfang an ein Publikumsmagnet. Die Kasseler kamen und staunten. Ein solches Angebot gab es sonst nur in wesentlich größeren Städten wie Berlin, Hamburg und München.

Der große Einschnitt kam mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Damals musste die Leonard Tietz AG ihren Besitz weit unter Wert an Banken abgeben. Was die Nationalsozialisten Arisierung nannten, war für viele Unternehmen mit jüdischen Besitzern eine Enteignung.

Die Tietz AG hatte unter anderem Häuser in Köln, Aachen, Wuppertal und am Stammsitz in Stralsund. Die Familie, zu der auch Hertie-Gründer Hermann Tietz gehörte, emigrierte. Sie wurde nach dem Krieg mit fünf Millionen D-Mark entschädigt.

Ausgebrannt: In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde das Gebäude stark beschädigt.
Ausgebrannt: In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde das Gebäude stark beschädigt. © Repro

Nachfolger in Kassel wurde die Westdeutsche Kaufhof AG, heute Galeria Kaufhof. In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurde auch das Kaufhof-Gebäude schwer beschädigt. Es brannte vollständig aus, war aber so solide gebaut, dass es bereits ab 1945 wieder nutzbar war. Zehn Jahre später wurde das Ursprungsgebäude dann doch noch abgerissen. Es musste Platz für einen Neubau machen.

Während andere große Kaufhäuser wie Hertie, Neckermann und auch Karstadt aus Kassel verschwanden, blieb der Kaufhof eine Konstante. Der bislang letzte größere Umbau wurde vor ziemlich genau einem Jahr abgeschlossen. Sieben Monate lang hatte die Umgestaltung gedauert. Von diesem Zeitpunkt an sollte die Galeria mit einem modernen Anspruch an die Kaufhof-Tradition anknüpfen. Auf den ersten Blick fiel die neue Lichtgestaltung auf.

Nach der Umgestaltung vor einem Jahr: Das aktuelle Gebäude der Galeria. Archi
Nach der Umgestaltung vor einem Jahr: Das aktuelle Gebäude der Galeria. Archi © Axel Schwarz

Alles wirkt nun heller im Vergleich zu früheren Zeiten. Das liegt auch daran, dass der Blick ins Freie zum Teil nicht mehr mit Regalen und Wänden verstellt ist. Besonders deutlich wird das in der zweiten und vierten Etage mit einem tollen Ausblick auf den Friedrichsplatz und darüber hinaus. Vom Servicezentrum der Stadt bis zu Angeboten mit regionalen Produkten sollte die Galeria Anlaufstation sein. Eine Attraktion, so wie schon im Kaufhaus Tietz vor knapp 112 Jahren. (Thomas Siemon)

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