Standpunkt zu Konrad mit Audio-Kommentar: "Absolute Fehlinvestition"

Kassel. Im März ist das Fahrradvermietsystem Konrad an den Start gegangen, an 52 Stationen in Kassel kann man sich Räder leihen. Doch nach Meinung von HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden ist mittlerweile klar: Das Projekt ist nicht nur unrentabel, sondern eine ideologisch motivierte Fehlinvestition.

Es ist Sommer - und folgerichtig sieht man überall dort, wo es flach und gut zu radeln ist, die Konräder durch die Stadt rollen. Darauf sitzen in der Regel junge Menschen - auf dem Weg zum nächsten Vorlesungsort.

Horst Seidenfaden, HNA-Chefredakteur 

Konrad, das mit Bundesmillionen geförderte und mit Folgekosten (über die niemand ehrlich sprechen will) belastete System, ist schnell entlarvt worden: Als absolute Fehlinvestition - weil Markt und Umsatz, Nachfrage und Organisation jämmerlich falsch eingeschätzt wurden. Ein von reiner Ideologie getragenes Projekt, das nun am Leben erhalten werden soll mit einem Zusatzbeitrag der Studenten in Kassel.

Konrad im Regiowiki

Die Diskussion darum ist eine Lachnummer für sich: Da weigert sich der Asta, eine Erhöhung von einem auf drei Euro pro Semester und Student mitzumachen. Zu teuer, so die Begründung. Kommentieren muss man diesen Unfug sicher nicht - wohl aber das Ansinnen der Stadt. Dort weiß man, dass Konrad fast ausschließlich zum Nulltarif von Studenten genutzt wird. Die sollen also jetzt einem System, das in Gänze nicht funktioniert (denn wo ist die Entlastung des ÖPNV und des Straßenverkehrs geblieben? Wo bleibt sie im Winter?) durch eine Zwangsumlage, die mit Blick auf die Nutzung lächerlich ist, Atemluft verschaffen.

Das macht die Hilflosigkeit derer, die Konrad installierten, nur noch deutlicher. Denn alle bisher vorgelegten Kalkulationen und Ergebnisse sind vor dem Hintergrund, dass bei allen Berechnungen beispielsweise noch nie über den Aufwand für die Neubeschaffung der Konrad-Flotte geredet wurde, für den Papierkorb.

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Konrad wird mit unehrlichen Zahlen verkauft, die Bilanz soll jetzt mit untauglichen Mitteln aufgehübscht werden: Die, die jetzt schon nichts dafür zahlen, sollen ein bisschen mehr zur Kasse gebeten werden - und die 15.000 Studenten, die Konrad nicht nutzen, werden gleich mit abkassiert.

Konrad hat von Anfang an einen Hauptfehler: Das System wird nicht privatwirtschaftlich betrieben. In anderen Städten kostet die Ausleihe eine Gebühr, die für den Verleiher kostendeckend ist. Und in Kassel ist man beseelt von dem Gedanken, in einer topografisch an sich schon wenig fahrradfreundlichen Stadt unter freiwilligem Verzicht von ansatzweiser Kostendeckung ein System zu installieren, für das es gar keinen Markt gibt.

Aktualsiert am 21.6.2012
um 15.15 Uhr

Die Stadt wird unter dieser ideologisch motivierten Fehlinvestition zu leiden haben. Ihr fehlt jetzt schon an allen Ecken und Enden Geld, es reicht in vielen sozialen Bereichen nicht mehr für die nötigsten Dinge - Vereine wie "Kinder für Nordhessen" müssen mittlerweile hunderttausende Euro jährlich sammeln und in wichtigste Projekte an den Schulen investieren, weil die Stadt ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen kann. Und sich dennoch auf finanziell absurde Abenteuer wie Konrad einlässt. Wieviel Traumtänzer-Politik müssen die Bürger der Stadt eigentlich noch ertragen?

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