Viele Infektionen in Flüchtlingseinrichtung - KSV Hessen und MT ohne Zuschauer

Sprunghafter Anstieg der Corona-Fälle: Kassel ist jetzt Risikogebiet

Blick auf die Obere Königsstraße in Kassel
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Blick auf die Obere Königsstraße. Kassel wird wegen der vielen neuen Coronafälle wohl als Risikogebiet eingestuft werden (Archivbild).

Kassel ist ab sofort Corona-Risikogebiet. Das hat Auswirkungen auf den Alltag in der Stadt - auf Veranstaltungen und auf Feiern.

  • In Kassel sind die Corona-Zahlen nach einem Ausbruch in einem Flüchtlingsheim sprunghaft gestiegen.
  • Die Stadt gilt damit als neuer Hotspot und erreicht die höchste Corona-Infektionswarnstufe.
  • Ab sofort gibt es daher in Kassel Einschränkungen bei privaten und öffentlichen Feiern.
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Update von Donnerstag, 15.10.2020, 19.33 Uhr: Laut der 7-Tage-Inzidenz von 97,5 (Wert von Donnerstagmorgen laut RKI, am Mittwochnachmittag lag er bei 94,2) ist Kassel Risikogebiet. Am Donnerstag (15.10.2020) wurde es auch als solches eingestuft. Die Stadt meldet dafür die aktuelle Zahl der Neuinfizierten dem Sozialministerium in Wiesbaden und letztlich an das Robert Koch-Institut. Dieses nimmt die Einstufung vor.

Der Wert von 97,5 entspricht laut RKI 197 Infizierten in der Stadt Kassel. Der Landkreis hat eine 7-Tage-Inzidenz von 20,3 - das entspricht 48 Infizierten.

Die Stadt hatte bereits am Mittwoch auf die enorm gestiegenen Zahlen reagiert und Einschränkungen bei Feiern und Veranstaltungen beschlossen.  Welche Auswirkungen die Einstufung als Risikogebiet darüber hinaus hat, wird sich erst noch zeigen. Der Grund: Bund und Länder haben zwar am Mittwoch eine ganze Reihe an Maßnahmen für Städte beschlossen, die mehr als 35 oder 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen haben. Die von den Regierungschefs festgelegten Regeln gelten allerdings nicht automatisch, sondern müssen von jedem Bundesland in Verordnungen festgelegt werden. Wann dies in Hessen passiert, ist noch unklar. „Darum bleibt es zunächst bei den am Mittwoch von uns genannten Einschränkungen“, sagt Oberbürgermeister Christian Geselle. Allerdings schaue man täglich, ob die Stadt wegen weiter steigender Zahlen nochmal reagieren müsse.

Neben der Beschränkung der Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen und Feiern hat die Einstufung Kassels als Risikogebiet vor allem Auswirkung für Reisende: Wer aus Kassel kommt, darf in vielen Bundesländern nur in Ausnahmefällen – etwa nach Vorlage eines negativen Corona-Tests – in Hotels und Pensionen übernachten. Grund ist das umstrittene Beherbergungsverbot, das Reisenden aus Risikogebieten den Urlaub erschweren soll. (Einen Überblick über Auswirkungen auf Feiern, Veranstaltungen, Besuche in Krankenhäusern und die Gastronomie in Kassel, gibt es hier.)

Kassel ist hessenweit die fünfte Kommune, die den als kritischen geltenden Inzidenz-Wert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen überschreitet. Die fünfte - und höchste - Warnstufe des Präventions- und Eskalationskonzeptes greift ab einem Wert von 75.

Zahlreiche Corona-Fälle in Flüchtlingsheim in Kassel

Grund für die so deutlich gestiegenen Zahlen ist, dass in der Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete im Kasseler Stadtteil Niederzwehren eine hohe Zahl der Bewohner mit dem Erreger SARS-CoV-2 infiziert wurde, teilte die Stadt mit. 

In der vergangenen Woche waren zunächst ein ehrenamtlicher Mitarbeiter und vier Bewohner - darunter ein Kind - positiv auf das Coronavirus getestet worden. Daraufhin wurden für alle 301 in der Einrichtung lebenden Menschen Quarantäne angeordnet. Zudem hatte die Stadt veranlasst, alle Bewohner und die Mitarbeiter zu testen. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen sind mindestens 112 Personen betroffen.

Vor allem deswegen steigt die Zahl der Corona-Infektionen in Kassel stark an. Die 7-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 97,5. Ohne Berücksichtigung dieses Ausbruchs liegt die Inzidenz laut Stadt bei 42,1 (Stand Mittwochnachmittag).

Am Wochenende war zudem bekannt geworden, dass es einen Corona-Ausbruch bei einer Hochzeit in Lohfelden gegeben hat.

Corona in Flüchtlingsheim in Kassel: Arzt kritisiert Zustände

Zur Qurantäne in der Flüchtlingseinrichtung sagt Manfred Becker, Abteilungsleiter beim Regierungspräsidium Gießen: „Um die Infektionsketten zu unterbrechen, werden die internen Quarantänebereiche derzeit erweitert und neu strukturiert, damit die positiv und negativ Getesteten räumlich getrennt werden können. Der Kasseler Allgemeinmediziner Dr. Helmuth Greger, der zuletzt auch in der Einrichtung tätig war, sagt indes, dass er und seine Kollegen das Problem haben kommen sehen. Er spricht von unzureichenden Bedingungen in der Einrichtung – und davon, dass die Personen untereinander dort nicht ausreichend isoliert werden könnten. Auf entsprechende Bedenken sei das RP nicht eingegangen. Es habe keinen Krisenplan gegeben. Das RP wies die Kritik indes zurück.

Corona in Kassel: Waffenbörse in den Messehallen öffnet doch

Als Konsequenz auf die hohen Corona-Fallzahlen dürfen größere Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern laut Oberbürgermeister Christian Geselle bis auf weiteres nicht stattfinden. Daher hatte die Stadt auch die Internationale Waffenbörse auf dem Messegelände, die am Donnerstag (15.10.) eröffnet werden sollte, am Mittwoch untersagt. Am Donnerstag öffnete die Börse dennoch: Das Verwaltungsgericht hat eine einstweilige Verfügung des Veranstalters bestätigt. Die Ausstellung darf demnach doch stattfinden. 

Zahlreiche Corona-Fälle in Kassel: KSV Hessen Kassel und MT Melsungen ohne Zuschauer

Sportveranstaltungen wie die Heimspiele des KSV Hessen Kassel im Auestadion und der MT Melsungen in der Rothenbachhalle können stattfinden, allerdings ohne Zuschauer, teilte die Stadt mit. Auf den Plätzen und in den Hallen in Kassel dürfen sonst - unter den geltenden Abstandsregeln - bis zu 250 Zuschauer anwesend sein.

Corona in Kassel: Einschränkungen bei privaten Feiern

Vor der ab Montag (19.10.) in Kraft tretenden Rechtsverordnung des Landes Hessen werden in Kassel ab Donnerstag (15.10.) private Feiern mit mehr als 25 Personen untersagt. Für Feiern in privaten Räumen, insbesondere in Wohnungen, wird eine Höchstteilnehmerzahl von 10 Personen dringend empfohlen.

Am Mittwochmittag hatte die 7-Tage-Inzidenz in Kassel mit 17 neuen Fällen noch bei 37,2 gelegen. Diese Zahlen stehen - Stand Mittwochabend - auch noch auf der Website der Stadt Kassel. Am Nachmittag informierte die Stadt dann in einer Pressemitteilung über die jüngsten Entwicklungen und gestiegenen Zahlen. (Lesen Sie dazu auch: Neuer Corona-Hotspot: Lage in Kassel spitzte sich am Nachmittag zu.) (Marie Klement und Florian Hagemann)

Das bedeutet die höchste Infektionswarnstufe

In der höchsten Infektionswarnstufe ab 75 gilt laut Deutscher Presse-Agentur eine Steuerung der medizinischen Lage durch den Planungsstab des Sozialministeriums. Das bedeute einen sehr engen Austausch mit den Kommunen und begleitende Beratung, erklärte das Ministerium. Das Ausbruchsgeschehen werde vor Ort gesteuert. Sollte das Ministerium zu der Auffassung gelangen, dass die vor Ort ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichend sind, könne es die Fachaufsicht an sich ziehen.

Welche Folgen es wegen der höchsten Infektionswarnstufe für Kassel gibt, lesen Sie hier.

Höchste Infektionswarnstufe in Kassel: Mehr Arbeit für die Behörden

Private Feiern mit mehr als 25 Personen sind in Kassel vorerst untersagt – eine weitere Beschränkung in Zeiten der Coronakrise. Das zu kontrollieren, sorgt ebenso für Mehraufwand für die Behörden wie die Zurückverfolgung der Kontaktpersonen bei zunehmender Zahl an Infizierten. Nur: Wer soll das alles leisten? Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle sagte am Mittwochabend, dass zusätzliches Personal im Gesundheitsamt eingesetzt würde. Die Kontrolle übernähmen weiterhin Mitarbeiter von Ordnungsamt, Stadtpolizei und Landespolizei. Geselle sagt aber auch, dass mittlerweile alle am Anschlag arbeiten würden. „Wir müssen alle die Zähne zusammenbeißen. Aber wir kriegen das noch hin.“

Was die Arbeit nicht gar so kompliziert macht: dass der Ausbruch in der Erstaufnahmeeinrichtung ein singuläres und einigermaßen kontrollierbares Ereignis ist.

Corona in Kassel: Oberbürgermeister appelliert an Besonnenheit

Angesichts der drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen hat Oberbürgermeister Christian Geselle am Mittwochnachmittag an die Besonnenheit aller Menschen in Kassel appelliert. „Jede und jeder muss die eigene Verantwortung ernst nehmen. Verhalten Sie sich verantwortungsvoll und unterstützen Sie andere wie zum Beispiel Sicherheitskräfte bei ihren Bemühungen, für ein geordnetes und friedliches Miteinander zu sorgen“, sagte Geselle. Mit dem kurzfristigen Verzicht auf größere Veranstaltungen reduziere man die Möglichkeiten für das Virus, sich weiter auszubreiten. Außerdem würden die bekannten Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregeln unter dem Stichwort AHA+L – also Abstand halten, Hygiene durch gründliches Hände waschen, Alltagsmaske tragen und regelmäßiges Lüften – helfen.

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