Einziehen sollen Menschen mit und ohne Behinderung

Startschuss für inklusives Wohnprojekt in alter Martini-Brauerei in Kassel

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Ziehen an einem Strang (von links): Anja Deiß-Fürst (Sozialamt), aha-Vorsitzender Matthias Windisch, Michael Linker (MQ Projektentwicklungsgesellschaft), WohnGesStein-Geschäftsführer Marco Ferchland, WohnGeStein-Vorsitzender Manu Dieter Giesen, Timon Gremmels, Christof Nolda und Ilona Friedrich. Auf kleinen Fliesen notierten sie ihre guten Wünsche für das Projekt. 

Kassel. Das Alte weicht, das Neue wächst: Am Samstag gaben die Elterinitiative „WohnGeStein“  und die ambulante Alltagshilfe aha auf dem Martini-Gelände in der Kölnischen Straße den Startschuss für das wohl ambitionierteste inklusive Wohnprojekt in Kassel.

Dort werden künftig Menschen mit und ohne Behinderung unter einem Dach leben und einander unterstützen.

Im Verwaltungsgebäude der ehemaligen Brauerei sollen bis zum Sommer 2019 auf fünf Ebenen 13 abgeschlossene Wohnungen für Erwachsene mit Handycap sowie fünf weitere für Nichtbehinderte entstehen. Die Bewohner des Hauses, das über mehrere Gemeinschaftsräume verfügen wird, sollen ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen, erhalten aber gleichzeitig bedarfsgerechte Hilfe von Angehörigen, Ehrenamtlichen und professionellen Diensten.

Die Wahl des einstigen Brauereigeländes, auf dem ein neues Wohn- und Arbeitsquartier entstehen soll, ist nicht zufällig. Den Initiatoren ging es bei ihrem Projekt um Teilhabe mitten in der Stadt, statt Ausgrenzung an den Rändern fernab sozialer und kultureller Angebote. Der Standort an der Kölnischen Straße bietet dagegen die gesamte Infrastruktur urbanen Lebens – vom ÖPNV und der wohnortnahen Versorgung bis hin zu Begegnungsmöglichkeiten und kulturellen Angeboten. An der Verwirklichung des Projekts sind viele beteiligt: neben Initiatoren und betroffenen Eltern, die Stadt, Planer und Architekten, die unkonventionelle Wege gehen, und natürlich die Eigentümerin des Geländes, die Einbecker Brauhaus AG, die diesen Teil zu einem erschwinglichen Preis abgab und die Initiative tatkräftig unterstützt.

Dafür sprach WohnGeStein-Vorsitzender Manu Dieter Giesen Einbecker-Vorstandssprecher Lothar Gauß seinen besonderen Dank aus. Ohne ihn wäre das Projekt nicht zustande gekommen. In dem neuen Haus könnten Menschen mit Behinderung selbstbestimmt leben, ohne auf Betreuung, Halt und Sicherheit verzichten zu müssen.

Bald Vorzeigeprojekt für inklusives Wohnen: Das alte Martini-Verwaltungsgebäude in der Kölnischen Straße.

Kassels Sozialdezernentin Ilona Friedrich dankte den Initiatoren für deren „Mut und langen Atem“. Das Vorhaben auf dem Martini-Gelände sei ein Leuchtturmprojekt für inklusives Wohnen mitten in der Stadt. Hier entstehe eine „sorgende Gemeinschaft in lebendiger Nachbarschaft“.

SPD-Bundestagsabgeordneter Timon Gremmels sprach von einem optimalen Standort. Das Wohnhaus werde das „Tor zu einem neuen Quartier“. Hier werde künftig Inklusion gelebt. Stadtbaurat Christof Nolda bezeichnete das Gesamtprojekt als „ein Stück neue Stadt“, in der es eine gesunde Durchmischung geben werde. Dazu trage das inklusive Wohnprojekt in erheblichem Maße bei.

aha-Vorsitzender Matthais Windisch unterstrich, dass das Projekt den künftigen Bewohnern den Zugang zum öffentlichen Leben und in andere soziale Räume inner- und außerhalb des Quartiers ermögliche und gleichzeitig die Willkommenskultur der Gesellschaft gegenüber behinderten Menschen verbessere.

Kredite und Fördermittel

Für die Umsetzung des fast drei Millionen Euro teuren Projekts haben die „WohnGeStein“-Elterninitiative und der aha-Trägerverein die gemeinnützige „Wohngestein wohnen inklusiv gGmbH“ gegründet. Die beiden Initiatoren halten je 50 Prozent der Gesellschaftsanteile. Finanziert wird das Projekt über Kredite von Privatleuten, Banken und des bundeseigenen KfW-Instituts sowie mit Fördergeldern der Aktion Mensch, des Hessischen Sozialministeriums und der Stiftung Wohnhilfe. Insgesamt entsteht neuer Wohnraum im Umfang von 1400 Quadratmetern. 

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