Statt Traumreise nur Ärger

Bewährungsstrafe für Ex-Reisebüro-Chef: Kunden um 28.000 Euro betrogen

Kassel. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 17 Fällen hat das Amtsgericht Kassel den 58-jährigen ehemaligen Chef eines Kasseler Reisebüros am Donnerstag zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt.

Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, der Mann muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Kasseler - heute Hartz-IV-Empfänger - hatte alle Taten gestanden und so den Weg für eine Verständigung zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft geebnet. 14 der Geschädigten, die gestern als Zeugen geladen waren, mussten daher nicht mehr aussagen.

Für sie war der Albtraum eines jeden Urlaubers Wirklichkeit geworden: Sie hatten bei dem Reisebüro an der Friedrich-Ebert-Straße, später am Königstor, Flüge für den Traumurlaub in Florida, Jamaika, Australien und Kanada, in Las Vegas oder Teheran gebucht und dem Angeklagten bis zu 5000 Euro ausgehändigt. Doch statt die Flüge zu bezahlen, hatte der das Geld für eigene Zwecke eingesteckt.

Zum Teil erst am Vorabend des Fluges hatte er seine Kunden angerufen oder sie per E-Mail darüber informiert, dass mit der Flugbuchung „etwas nicht geklappt“ habe. Viele der Geprellten kauften neue Tickets, um nicht auch noch das Geld für die bereits bezahlten Hotels im Urlaubsland zu verlieren.

Der hochgewachsene Angeklagte mit der Kurzhaarfrisur und dem Vollbart wirkte gestern wie ein gesundheitlich gezeichneter Mann. Mit zitternder Hand fuhr er sich immer wieder über die Lippen, vergrub das Gesicht in beiden Händen und vermied jeden Blickkontakt zu seinen früheren Kunden.

Staatsanwalt und Verteidiger bezeichneten das Reisebüro als „Lebenswerk“ des Angeklagten, das der mit der betrügerischen Finanzjonglage habe bewahren wollen. Vergeblich: Ein Insolvenzverfahren wurde mangels Masse nicht eröffnet, ein anderes läuft noch.

Das Urteil befanden die meisten Geschädigten als angemessen, eine Frau wünschte sich allerdings, dass der Angeklagte tatsächlich in den Knast eingerückt wäre. Weil der aber nicht vorbestraft ist, war das nicht zu erwarten.

Die geschädigten Urlauber hatten gestern wenig Hoffnung, ihr Geld wiederzubekommen. Zwar könnten sie Zivilklage einreichen, doch angesichts der desolaten finanziellen Situation des Angeklagten würde das wohl nur weitere Kosten verursachen.

Aber eine Entschuldigung, sagten einige, hätten sie schon erwartet. Doch dazu war der Angeklagte nicht bereit: Er zeigte ihnen konsequent den Rücken.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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