Verband legt Studie vor - Kassel liegt bei Investitionen weit hinter Rhein-Main-Gebiet

Stau auf Wohnungsmarkt

Rudolf

Kassel. Immer mehr Menschen suchen eine Wohnung in Kassel, gebaut wird aber trotz einiger positiver Beispiele noch zu wenig. Im Gegensatz zu Südhessen gebe es im Norden keinen Investitionsschub, sagte der Vorstand des Verbands der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW), Rudolf Ridinger, gestern bei der Präsentation einer neuen Studie zum Wohnungsmarkt.

„Die Angebotslücke wird sprunghaft größer, wir erwarten deshalb in den nächsten Jahren gerade im Raum Kassel eine weitere Verschärfung der Wohnungsmarktlage“, sagte Ridinger. Das von der Landesregierung angekündigte Wohnungsbauförderungsprogramm sei zwar ein richtiger Schritt, reiche aber nicht aus. Das 300-Millionen-Euro-Programm werde voraussichtlich erst in etwa fünf Jahren eine Entspannung bringen. Die Politik sei jetzt schon gefordert, die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau zu erleichtern.

In den Städten müsse es möglich sein, zum Beispiel bisher als Parkplätze genutzte Flächen zu bebauen. Angebote wie Car-Sharing (mehrere Nutzer teilen sich ein Auto) und ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr würden in Ballungsräumen zunehmend wichtiger als das eigene Auto.

39 Quadratmeter pro Kopf

Erstmals seit Jahrzehnten sei die Pro-Kopf-Wohnfläche in Kassel rückläufig. Sie ging von durchschnittlich 40 auf 39 Quadratmeter zurück. Ridinger wertet das als ein Zeichen für die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt. Bisher habe man eine solche Entwicklung nur in den süd- und mittelhessischen Universitätsstädten beobachtet.

Die durchschnittlichen Mieten sind nach Angaben des Verbandes von weniger als sechs Euro (2011) auf mehr als sieben Euro (2012) gestiegen. „Das war der größte Jahressprung in Nordhessen“, sagte Ridinger. In Kassel legten die Mieten im gleichen Zeitraum von durchschnittlich 7,30 auf 7,80 Euro zu - immer noch deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 8,50 Euro. Deshalb sei Kassel für Investoren weniger interessant als zum Beispiel das Rhein-Main-Gebiet. Die Förderung des Landes müsse darauf abgestellt werden.

Besonders schwierig sei die Lage für Menschen mit niedrigem Einkommen. Der Anteil der Mieter, die finanzielle Unterstützung für ihre Wohnungen bekommen, sei mit neun Prozent in Kassel besonders hoch und nur noch mit Offenbach zu vergleichen. Einkommensschwache brauchen nach Einschätzung des Verbandes mehr Unterstützung.

Von Thomas Siemon

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