900.000 Euro mit Recyclingmaterial

Diebstahl im VW-Werk: Geständnisse zu Prozessauftakt

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Wertvoller Schrott: Auf dem Archivfoto zerlegt ein VW-Mitarbeiter in Kassel einen gebrauchten Katalysator. Bei dem Verfahren werden Edelmetalle wie Platin, Palladium und Rhodium zurückgewonnen.

Kassel. Zwei Männer sollen etwa elf Tonnen edelmetallhaltige Katalysatorenreste von VW gestohlen haben - Verkehrswert etwa 900.000 Euro. Am Mittwoch war nun Prozessauftakt, bei dem die Angeklagten ein Geständnis ablegten. Gleichzeitig berichteten sie von den Details der spektakulären Aktion.

Er habe das Angebot bekommen, „mit Staub Geld zu machen“, und da habe er nicht Nein sagen können. Der 39-Jährige, der dies am Mittwoch vor dem Kasseler Landgericht einräumte, ist einer von acht Angeklagten die sich vor der 1. Strafkammer wegen Bandendiebstahls und Hehlerei verantworten müssen.

Zwischen Februar und November 2008 haben zwei von ihnen über elf Tonnen edelmetallhaltigen Keramikstaub aus der Kasseler Katalysatorenrecycling-Abteilung des VW-Werkes in Baunatal beiseite geschafft. Der so genannte Monolithenbruch enthält so wertvolle Metalle wie Platin, Palladium oder Rhodium.

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Nicht nur die beiden ehemaligen Mitarbeiter aus der VW-Recyclingabteilung, sondern auch ihre Helfer räumten am Mittwoch alles ein. Die beiden Angeklagten die laut Staatsanwaltschaft einige Lieferungen abgenommen haben sollen, schwiegen hingegen am ersten Verhandlungstag. Der 39-Jährige, der dem Angebot, aus Staub Geld zu machen, nicht hatte widerstehen können, war von einem Kollegen in dem Recyclingwerk auf dem Henschel-Gelände angesprochen worden. Er musste lediglich eine Kiste mit dem wertvollen Staub füllen, der Kollege sorgte für den Abtransport. Anfangs habe er 25 Euro für eine Kiste, die zwischen 35 bis 40 Kilo fasste, bekommen, später sei der Lohn auf 100 Euro gestiegen. Auch als der Vertrag des Kollegen ausgelaufen war, kam der weiter auf das Werksgelände und holte Material ab - er hatte sich einen Schlüssel für das Werkstor nachmachen lassen.

Als ein weiterer Kollege - ein 31-jähriger Mitangeklagter - von der Sache Wind bekam, weil sich eine von ihm gefüllte Kiste wie von Geisterhand gelehrt hatte, wurde er nicht nur eingeweiht, sondern auch einer der Partner in dem illegalen Handel. Er und der 39-Jährige kamen derart auf den Geschmack, dass sie statt für ihren Auftraggeber auf eigene Karte Monolithenbruch verkaufen wollten.

Sie fanden in einem Bekannten einen Partner, der Geld brauchte und nun mit ihnen auf der Anklagebank sitzt. Er arbeitete in einer freien Autowerkstatt, sein Chef kannte einen Händler in Holland, der das gestohlene Material abnehmen wollte. Der Werkstattinhaber beförderte die Geschäfte, indem er Lagerfläche für das Diebesgut zur Verfügung stellte.

Die beiden Mitarbeiter in der VW-Recyclingabteilung schafften, ohne dass es irgendjemand bemerkte, von da an kleinere Mengen in Säcken aus dem Werk und füllten sie in Fässer. Sobald eine gewisse Menge zusammengekommen war, wurde an den Holländer geliefert. Der zahlte in bar, oft fünfstellige Beträge. „Das war schnell verdientes Geld, keiner hat über Strafen nachgedacht“, sagte einer der Angeklagten am Mittwoch. Um die 900 000 Euro soll der Staub aus den Katalysatoren wert gewesen sein.

Doch bei der letzten Lieferung - etwa über zwei Tonnen - wurde die Bande ertappt und festgenommen. Am 5. November soll der Prozess vor dem Landgericht fortgesetzt werden.

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