Kasseler Amtsrichterin sieht Anhaltspunkte für versuchten schweren Raub im Drogenmilieu

Staubsaugerattacke geht vors Landgericht

Kassel. Zurzeit kann es voll werden in Kasseler Amts- und Landgerichtssälen. Übliches Prozesspublikum sind Angehörige des Opfers oder der Angeklagten, die Presse sowie neugierige Fans der Gerichtskantine. Doch für wenige Wochen bevölkern auch Jura-Studierende der Uni Marburg die Zuhörerreihen. Ihnen wird der Justizbetrieb gezeigt und erklärt.

Für die drei Angeklagten, die sich am Dienstag wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten müssen, ergibt sich dadurch eine seltsame Situation. Einer von ihnen, ein 30-Jähriger aus Fuldabrück etwa, muss seinem Verteidiger beim Anekdoten-Erzählen zuhören, bis die Richterin mit den Schöffinnen erscheint.

Dass auch der Prozess ungewöhnlich verlaufen könnte, macht dann eine Frage deutlich, mit der der Staatsanwalt die Zeit überbrückt: Ob den Studierenden in der Anklage etwas fehlt - so nach Aktenlage - will er wissen. „Die versuchte Nötigung fehlt“, meint ein Nachwuchsjurist. Ein anderer: „Der versuchte Raub.“ So sieht das wohl auch der Frager selbst. Und ähnlich wird das wenig später auch Richterin Manuela Focke einschätzen. Sie verhandelt den Fall an - verweist ihn dann aber an die Instanz, die für schwerere Delikte zuständig ist: das Landgericht.

Die Anklageschrift wirft dem 30-Jährigen und den beiden 28-Jährigen aus Kassel und Lohfelden vor, im Februar 2010 gewaltsam in eine Kasseler Wohnung eingedrungen zu sein. Ein 29-Jähriger, der sich dort bei seiner Frau und seinem Kind aufgehalten habe, soll von einem vierten, unbekannten Mann mit einer Pistole bedroht worden sein. Der 28-jährige Kasseler habe mit dem Metallrohr eines Staubsaugers auf den Geschädigten eingeschlagen.

Der Geschädigte wird am Dienstag vernommen. Alle drei Angeklagten hätten in jener Nacht die Tür zur Wohnung eingetreten, sagt er. Auch hätten alle drei den unbekannten Vierten angefeuert: „Schieß, schieß doch endlich.“ Nach den Schlägen habe er seiner Frau zugerufen, sie solle ins Schlafzimmer zum Kind laufen. Auch er selbst sei dorthin geflohen und habe sich von innen gegen die Tür gestemmt. Die Attackierer hätten noch versucht, den Fernseher mitzunehmen - diesen aber schließlich zertrümmert. „Können Sie sich denn erklären, warum die Herren zu Ihnen gekommen sind?“, will die Richterin wissen. „Nein“, behauptet der Zeuge, räumt dann aber auf Nachfrage ein, was er schon bei der Polizei gesagt haben soll: Er habe 300 Euro Schulden bei dem Fuldabrücker gehabt. Und er sei mehrfach mit Anrufen bedroht worden. Dass der 30-Jährige mit Drogen handele und er selbst früher dort gekauft habe, will der Zeuge nicht bestätigten. Er muss sich nicht selbst belasten. Auch die drei Angeklagten haben bislang geschwiegen. Wann der Prozess neu beginnt, ist offen.

Von Katja Schmidt

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