Nur noch 250 Gäste pro Vorstellung

Flic Flac in Kassel muss verkaufte Tickets wegen neuer Corona-Regeln stornieren

Muss Tickets stornieren: Der Zirkus Flic Flac, der bis zum 9. Januar in Kassel gastiert.
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Muss Tickets stornieren: Der Zirkus Flic Flac, der bis zum 9. Januar in Kassel gastiert.

Ab Dienstag (28.12.2021) gelten verschärfte Corona-Regeln, die Bund und Länder beschlossen hatten. Für den Zirkus Flic Flac hat das harte Konsequenzen.

Kassel – Neben Corona-Kontaktbeschränkungen – auch für geimpfte Menschen – sind die Einschnitte vor allem bei Veranstaltungen groß. Laut der ab Dienstag geltenden neuen Corona-Regeln werden Veranstaltungen prinzipiell bei 250 Personen gedeckelt. Über die Feiertage mussten viele Flic-Flac-Tickets storniert werden, wie Manager Martin Krockauer berichtet. „Wir kriegen die Enttäuschung der Leute komplett ab, aber wir können nichts anderes tun. Die Stornierung von Tickets ist alternativlos.“

Der Flic-Flac-Manager und seine Mitarbeiter haben an den Feiertagen durchgearbeitet. Der Grund: Obwohl die eigentliche Kapazität des Zeltes in Kassel bislang ohnehin nur zu einem Viertel genutzt werden durfte, wird der Grenzwert ab Dienstag noch einmal auf 250 Personen herabgesetzt. Viele bereits gekaufte Tickets mussten storniert werden.

Flic Flac in Kassel: Erneute Verschärfung ein „Nackenschlag“

„Wir haben so viel Aufwand in die Sicherheit unserer Gäste und der Artisten gesteckt“, sagt Krockauer. Im Zirkuszelt, das eigentlich rund 1350 Plätze hat, gilt die 2G-Plus-Regel und Maskenpflicht. „Jede zweite Reihe ist leer, zu den nächsten Gästen in einer Reihe waren immer zwei Plätze frei. Außerdem haben wir ein starkes Gebläse“, berichtet der Manager. Die erneute Verschärfung der Regeln sei ein „Nackenschlag“. Was ihn besonders störe, sei das Gefühl, „dass die Kultur immer als erste leiden muss“. Während manche Händler um die Ecke damit werben, dass dort nur wenige Einschränkungen gelten, müsse Flic Flac Gäste ausladen. „Das ist absurd. Ich habe nicht das Gefühl, dass alle gleichermaßen an einem Strang ziehen müssen.“

Akrobaten auf dem Trampolin: (von links) Jordan (30), Wannes (21), Samantha (30) und Nik (24) von der Gruppe „Monster Tramp“.

Finanziell habe sich das Flic-Flac-Gastspiel in Kassel ohnehin nicht gelohnt. „Wir haben auch schon mit einer Auslastung von 25 Prozent Verluste gemacht“, erklärt Krockauer. Eine komplette Absage ab dem 28. Dezember habe nur kurz im Raum gestanden. „Das konnten und wollten wir auch unseren internationalen Artisten nicht zumuten.“ Um auf die Maximalgrenze von 250 Gästen zu kommen, wurden Ticketkäufe rückabgewickelt. „Alle bekommen automatisch ihr Geld zurück.“ Wer zuletzt gebucht habe, erhalte zuerst eine Stornierung und eine Information per E-Mail. „Glücklicherweise haben wir fast ausschließlich im Internet verkauft, das erleichtert die Kontaktierung der Leute.“ Den Frust der Ausgeladenen bekommen seine Mitarbeiter zu spüren, berichtet Krockauer. „Wir können und müssen aber nur reagieren.“

Verbindet Comedy mit Zauberei: Flic-Flac-Künstler Erasmus Stein (37) aus Essen zeigt einen Kartentrick.

Flic Flac in Kassel: Artisten sind froh, auf der Bühne stehen zu können

Unterdessen versuchen die Künstler und Artisten das beste aus der Situation zu machen. „Wir sind einfach nur froh, auf der Bühne stehen zu können“, sagt der 21-jährige Wannes aus Belgien, der Teil der Gruppe „Monster Tramp“ ist. Die vier Trampolin-Artisten sind zum ersten Mal in Kassel. Teamkollegin Samantha sagt: „In Deutschland ist sowieso immer super Stimmung, das ist auch hier so“, so die 30-jährige Kanadierin. „Wir spüren, dass die Leute Bock auf Zirkus haben.“ Am eigenen Anspruch ändere die Auslastung des Zeltes nichts, sagen Akrobat Nik aus Kanada (24). „Wir freuen uns über jeden, der da ist“, betont Franzose Jordan (30). Für die Truppe sei die Pandemie wie für alle andere Artisten keine leichte Zeit gewesen: Finanziell sei es nicht immer einfach gewesen und viele Trainingsstunden mussten ausfallen, berichtet Samantha.

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Den Gästen die Corona-Sorgen zumindest für die Dauer der Show aus den Köpfen treiben will Comedy-Zauberer Erasmus Stein aus Essen. Der 37-Jährige bezeichnet sich selbst als den einzigen Flic-Flac-Künstler ohne Muskeln. „Eigentlich wollte ich ganz klassische Zauberei machen. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich das nicht bin“, sagt er. Während die anderen Flic-Flac-Artisten hart trainieren, esse er Schokolade und trinke Ingwer-Tee für die Stimmbänder. „Ich nehme meine vermeintlichen Schwächen gerne aufs Korn. Witz und Wunder, das ist das, was ich gut kann“, sagt er. Die geringe Auslastung des Zeltes habe ihm Sorgen gemacht, gibt er zu. „Die Leute, die aber jetzt da sind, sind echte Hardcore-Fans. Die saugen Flic Flac auf wie ausgetrocknete Schwämme.“ (Von Gregory Dauber)

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