Der Nachbarschaftsverein Fuldatal stattet jedes Jahr über 300 Senioren einen Geburtstagsbesuch ab

Sie steht immer auf der Gästeliste

Freute sich über den Besuch: Heinrich Ludwig feierte seinen 88. Geburtstag. Petra Herbst vom Nachbarschaftsverein kam wie jedes Jahr bei ihm zu Hause vorbei. Foto: C. Hartung

Fuldatal. Die Sonne scheint durch das große Fenster auf den festlich geschmückten Tisch, liebevoll zubereitete Käse- und Wursthäppchen stehen bereit. An der Haustür klingelt es und wieder kommt ein Gast herein, um dem Geburtstagskind zu gratulieren.

„Es freut mich sehr, Sie wieder hier zu sehen, Frau Herbst“, strahlte Heinrich Ludwig, der am Samstag 88 Jahre alt wurde. Petra Herbst vom Nachbarschaftsverein gehört mittlerweile zu den festen Geburtstagsgästen, die Heinrich Ludwig jedes Jahr aufs Neue herzlich in seinem Heim in Ihringshausen empfängt.

Seit 15 Jahren stattet der Verein, der sich die Betreuung älterer Menschen auf die Fahnen geschrieben hat, jedes Jahr etwa 300 Senioren ab 80 Jahren einen Geburtstagsbesuch ab.

Doch nicht bei jedem Geburtstagskind ist so viel Trubel wie bei Heinrich Ludwig, der sich mit blauem Hemd, Weste und Krawatte für seinen Ehrentag schick gemacht hatte. So gebe es auch Senioren, die alleine wohnen und keinen Besuch zum Geburtstag bekommen. „Viele warten schon auf mich. Dann komme ich in die Wohnung und der Tisch ist bereits gedeckt“, erzählte Herbst. „Da bleibe ich dann auch gern ein bisschen länger und unterhalte mich.“

Auch Heinrich Ludwig plauderte eifrig drauflos. Über seine Kriegsverletzung, wie er bei der Martinskirche in Kassel Kellerlöcher freischaufelte und über das Unverständnis darüber, warum junge Menschen heutzutage freiwillig Brillen tragen wollen.

„Häufig sind die Gespräche sehr persönlich“, sagte Herbst. Durch die Erlebnisse im Krieg spüre man deutlich die Dankbarkeit der Menschen, dass sie jetzt in Frieden leben können, erläuterte sie.

Die Geburtstagsbesuche sollen aber nicht nur eine herzliche Geste sein, sondern auch eine Einladung, die anderen Angebote des Vereins zu nutzen. „Viele haben Hemmungen, unsere Veranstaltungen zu besuchen“, erklärte Herbst und verwies unter anderem auf das Herrenfrühstück und das Projekt „Jung und Alt.“

Mit dem Geburtstagsbesuch könne man Kontakt zu den Senioren herstellen und die Hemmschwelle überwinden.

Von Carolin Hartung

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