Private, Betriebe und Investoren investieren

Stark steigende Immobilienpreise: Betongold ist in Kassel beliebter denn je

Kassel. Vor zehn Jahren steckten Stadt und Umland in einer tiefen Depression: hohe Arbeitslosigkeit, geringe Kaufkraft, wenig Investitionsneigung, kaum Bautätigkeit. Doch das hat sich gewaltig geändert. Mittlerweile gibt es stark steigende Immobilien- und Mietpreise.

Seit 2007 hat sich die Arbeitslosigkeit halbiert, Branchen wie Erneuerbare und Logistik erlebten einen wahren Boom, VW berappelte sich und viele Mittelständler starteten durch, was auch Handwerk, Handel und Dienstleiter beflügelte.

Eines unter vielen sichtbaren Zeichen für gewachsenen Wohlstand und Investitionsbereitschaft sind die vielen Baukräne und -gerüste in der Stadt. Allenthalben wird gebaut. Wirtschaft und Private investieren in großem Stil in Beton – auch mangels attraktiver und sicherer Anlage-Alternativen. Und wegen diffuser Ängste vor Inflation, die derzeit aber ebenso niedrig ist wie die Zinsen selbst.

Das alles bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Immobilienmarkt, der nach dem Wiedervereinigungsboom in den Jahren 2004 bis 2010 daniederlag. In den vergangenen Jahren aber stiegen Mieten und Immobilienpreise kräftig. „Die Immobilie erfährt derzeit eine Renaissance (Wiedergeburt)“, erklärte der Experte Dr. Hans-Jürgen Kampe.

Stadtbaurat Christof Nolda gewinnt dieser Entwicklung mehr positive als negative Seiten ab. „Kassel bewegt sich von billig weg hin zu immer noch vertretbaren Preisen, die es Investoren ermöglichen, zu investieren. Anderenfalls würde die städtische Bausubstanz zusehends verfallen“, sagte er.

Grund für die aktuelle Entwicklung am Immobilienmarkt sind aber auch der anhaltende Zuzug von Studenten infolge des Universitätswachstums und die Landflucht gerade älterer Menschen, die den Lebensabend in der Stadt verbringen wollen. So stieg die Zahl der Einwohner seit 2003 um etwa 5000 auf aktuell fast 197 000.

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Zwar sank die Zahl der Immobiliengeschäfte im Stadtgebiet 2013 gegenüber dem ungewöhnlich starken Vorjahr von 1952 auf 1488. Die Verfasser des Marktberichts führen dies aber auf Vorzieheffekte im Zusammenhang mit der im vergangenen Jahr angehobenen Grunderwerbsteuer zurück. Insgesamt zeigt die Kurve aber seit Jahren nach oben.

Die Immobiliengeschäfte in der Stadt hatten 2013 in Summe ein Volumen von 455 Mio. Euro – ein Plus von gut 40 Prozent. Dies resultiert aber vor allem aus dem Verkauf des riesigen Industrieparks Werk Mittelfeld an einen zypriotischen Investor – also ebenso ein Sondereffekt, der sich auch auf die gehandelte Fläche auswirkte. Wechselten in den vergangenen Jahren 700 000 Quadratmeter jährlich den Besitzer, waren es 2013 dreimal so viel.

Auch die Preise für Eigentumswohnungen sind ordentlich angezogen: Für den Quadratmeter neuen Wohnraums mussten Käufer 2013 im Schnitt 2700 Euro zahlen – 200 mehr als im Vorjahr, für Bestandswohnraum 1500 statt 1400 Euro. Vor zehn Jahren lagen die Kurse noch bei 1800 beziehungsweise 900 Euro.

Die Richtwertekarte ist als Wandkarte (70 Euro), Faltplan (60) und DVD (100), der Immobilienbericht als Farbdruck (35) und als PDF-Datei (30) im Raum K 719 im Rathaus erhältlich und unter www.stadtplan-kassel.deauch einsehbar.

Von José Pinto

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