Historische Grabplatten aus Landesmuseum sind ins Depot transportiert worden

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Historisch wertvoll: Die Steinmetze Sebastian Orth, Oliver Dieck und Alexander Engel (von links) von der Firma Gerloff räumen die schweren Steine in das eigens dafür konstruierte Regal.

Kassel. Tonnen schwere Grabsteine und Platten haben eine neue Heimat gefunden. Die circa 50 historischen Steine aus dem Keller des Landesmuseums sind in das Depot der Museumslandschaft Hessen Kassel an der Bunsenstraße transportiert worden.

Dort werden sie zurzeit von Mitarbeitern der Steinmetz-Firma Gerloff in überdachte Lagerregale gehievt. Die wertvollen, zum Teil zwei Meter hohen Grabstein lagerten seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Museum am Brüder-Grimm-Platz.

Aus dem Landesmuseum mussten sie jetzt geräumt werden, weil das Haus generalsaniert wird und bis auf die schweren Exponate im Keller bereits leer ist.

Um die Steine herauszunehmen, wurde sogar eine Öffnung in die Außenmauer des Museumsgebäudes gebrochen.

„Im Depot sind die Steine jetzt sachgemäß aufgehoben und in Sicherheit“, sagt Micha Röhring von der Museumsentwicklungsplanung der MHK. Ein Dach schützt sie vor der Witterung. Allerdings sind sie öffentlich nicht zugänglich. Außerdem sind die Inschriften der gelagerten Steine aufgrund der Enge im Regal nicht zu entziffern.

Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung zwischen der Stadt Kassel und der Museumslandschaft Hessen Kassel bezüglich der Besitzverhältnisse. Oberbürgermeister Bertram Hilgen hatte argumentiert, das Land sei Eigentümer aufgrund des „ununterbrochenen Besitzes durch Ersitzung“.

Inzwischen sei juristisch geklärt, dass das Land Hessen und damit die MHK nicht Besitzer der Steine ist. Nicht geklärt sei indes, wer die 55 000 Euro zahlt, die der Transport und die Konstruktion des Regals gekostet haben.

Nach Forschungen des Historiker Dr. Jörg Westerburg, Stadtverordneter und Denkmalpolitischer Sprecher der CDU, handelt es sich bei den Steinen um bedeutende Zeugnisse der Stadtgeschichte. Die Grabsteine von Kaufleuten, Hugenotten und Geistlichen zeigten einen Querschnitt aus der Bürgerschicht der Residenzstadt Kassel im 17. und 18. Jahrhundert. Sie gehörten eigentlich auf den heutigen Lutherplatz, damals Altstädter Friedhof, wo sie aller Wahrscheinlichkeit nach ursprünglich aufgestellt worden waren. (chr)

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