Kasseler Wirtschaftsinformatiker entwickeln Ideen-Plattform für Hochschulen

Europaweites Projekt: Stell dir deine Wunsch-Uni zusammen

Kassel. Automobilhersteller lassen sich von Kunden Fahrzeugmodelle designen, Computerfirmen bauen PCs nach Kundenwunsch, und Fastfood-Restaurants rufen ihre Gäste dazu auf, eigene Burger zu kreieren: Kunden sind längst mehr als nur Endverbraucher.

Immer mehr Unternehmen binden sie in den Entwicklungsprozess ihrer Produkte ein. Das Prinzip nennt sich „Open Innovation“ und soll künftig auch auf Universitäten übertragen werden. Wirtschaftsinformatiker der Uni Kassel entwickeln dafür eine Ideen-Plattform für Unis.

„Was für Unternehmen die Kunden sind, sind für Universitäten die Studenten“, sagt Dr. Ulrich Bretschneider vom Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, der das Forschungsprojekt in Kassel leitet. Es ist Teil des europaweiten „Open-Innovation-Project“, an dem auch Universitäten aus London und Dublin Open-Innovation-Instrumente für Universitäten sowie kleine und mittelständische Unternehmen erforschen.

Aufgabe der acht beteiligten Wirtschaftsinformatiker in Kassel ist es, eine Internet-Plattform für Universitäten zu entwickeln, auf der beispielsweise Studenten Ideen und Verbesserungsvorschläge rund um ihre Hochschule mitteilen können. Diese können dann von anderen Studenten aufgegriffen, kommentiert und ergänzt werden. Bretschneider nennt ein Beispiel: „Möchte sich ein Student sein Auslandssemester anrechnen lassen, ist das oftmals sehr kompliziert.“ Würden sich Studenten jedoch über eine Plattform organisieren und konkrete Verbesserungsvorschläge nennen, könnten Uni-Verantwortliche gezielt reagieren und so die Qualität der Hochschule verbessern.

Weitere Infos:

www.openinnovationproject.eu

„Universitäten sind heute auch Dienstleister“, sagt Prof. Dr. Jan Marco Leimeister, Leiter des Fachgebiets Wirtschaftsinformatik, der das Projekt koordiniert. „Daher brauchen wir den Wechsel vom geschlossenen zum offenen und vernetzten Innovationsmodell, um dauerhaft zukunftsfähig bleiben zu können.“ Abgesehen vom Mensa-Meckerkasten und einem postalischen Vorschlagswesen für Mitarbeiter gibt es bislang kaum Möglichkeiten, Ideen in die Kasseler Uni einzubringen. Mit der Plattform soll sich das ändern. Sie wird laut Bretschneider ab 2012 in den Internetauftritt der Kasseler Uni integriert und anschließend von den Forschern wissenschaftlich analysiert.

Erfahrungen aus der Wirtschaft stimmen Bretschneider optimistisch: „Bei großen Unternehmen kommt Open Innovation sehr gut an.“ Nicht zuletzt, weil immer mehr Firmen die Vorschläge ihrer Kunden ernst nehmen. Andernfalls würden sie zur Konkurrenz gehen und dort Autos und Burger entwerfen.

Das wissen auch Universitäten. Schließlich müssen auch sie sich inzwischen dem internationalen Wettbewerb stellen.

Von Sebastian Schaffner

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