Studenten kritisieren Studienbedingungen - Protestzug in Richtung Innenstadt

Stellen lange nicht besetzt

Protest: Nach der Vollversammlung (unser Foto) auf dem Campus an der Moritzstraße zogen spontan 200 Studenten in die Innenstadt und demonstrierten vor dem Rathaus. Sie übergaben Bürgermeister Jürgen Kaiser Resolutionen zu verschiedenen Themen. Foto: privat/nh

Kassel. Überfüllte Seminare und Vorlesungen sind an der Tagesordnung. Aber das war nicht der Hauptkritikpunkt der Studenten während ihrer gestrigen Vollversammlung. Denn sie wissen, dass das geplante neue Hörsaal- und Campuscenter nicht von heute auf morgen gebaut werden kann.

Ihnen ging es vielmehr um die in ihren Augen unhaltbaren Zustände in der Lehre. Beispielsweise seien sehr viele wissenschaftliche Mitarbeiter im Einsatz, die ausschließlich unterrichten müssten - sechs bis acht Seminare pro Semester -, aber keine Forschung betreiben dürften, erläuterte Asta-Vorsitzender Sebastian Weise-Kusche am Rande der Veranstaltung.

Ein weiteres Problem: Freie Professorenstellen würden lange Zeit nicht besetzt. Aktuelle Beispiele: Die Professur für Elektrische Maschinen sei bis zum Sommersemester 2011 vier Jahre lang nicht besetzt worden, obwohl Elektromobilität ein Zukunftsthema sei.

Ähnliches geschehe zurzeit im Bereich Erneuerbare Energien, Energiemanagement und elektrische Netze. Diese Professorenstelle sei seit Oktober 2009 verwaist. Die Berufungskommission habe sich für den anerkannten Fachmann Prof. Dr. Ingo Stadler ausgesprochen. Aber das Präsidium der Uni Kassel habe die Neubesetzung der Stelle gestoppt. Durch diese Entscheidung werde die Stelle erst wieder in zwei Jahren besetzt.

Anwesenheitslisten

Darüber hinaus prangerte Asta-Hochschulreferent Filip Heinlein das Führen von Anwesenheitslisten in Vorlesungen und Seminaren an. Der Senat der Uni Kassel habe inzwischen für alle Abschlüsse festgelegt, dass solche Listen verboten seien.

Die Problematik der Professorenstelle im Bereich Erneuerbare Energien sieht die Hochschulleitung anders. Seitdem das Iset in das Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) überführt worden sei, gebe es die Vereinbarung, dass die Uni ihren Schwerpunkt in der Energietechnik auf die Grundlagenforschung setzte, sagte Dr. Guido Rijkhoek auf HNA-Anfrage. Der vom Fachbereich ausgewählte Bewerber sei ein ausgezeichneter Wissenschaftler, dessen Schwerpunkt aber eher anwendungsorientiert sei.

Bis eine Entscheidung über die Besetzung falle, werde ein Vertretungsprofessor eingestellt.

Von Beate Eder

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