K+S stellt Trassenkorridore für Abwasserleitung vor

Kalisalz: Rohrbau ans Meer dauert zehn Jahre

Kassel. Über 400 Kilometer lang, geschätzte 800 Mio. Euro teuer, zu nutzen frühestens Mitte der 2020er-Jahre: Vier Varianten einer unterirdischen Leitung, die Abwässer der Produktion und von Abraumhalden des Werra-Kalireviers zur Nordsee bringen könnte, wurden am Dienstag im Regierungspräsidium Kassel vorgestellt.

In Nordhessen laufen die Korridore gebündelt mit der Midal-Erdgasleitung, mit der 380-kV-Trasse Wahle-Mecklar sowie über Homberg-Fritzlar-Waldeck-Bad Arolsen-Marsberg. Südniedersachsen würde an Hann. Münden und Göttingen vorbei durchquert. Die Pipeline hat der runde Tisch zur Werraversalzung als Lösung der Umweltprobleme empfohlen, die die rund 100 Jahre dauernde Abwassereinleitung in Werra und Weser sowie in tiefe Gesteinsschichten des Werratals anrichtet.

Auch Hessens grüne Umweltministerin Priska Hinz nennt das Rohr zur Küste „ökologisch effektivste und nachhaltigste Lösung der Salzabwasserproblematik“. Es im betriebsbereiten Zustand zu haben, dauere aber zehn Jahre. Auf der Internetseite des RP (www.rp-kassel.de) sind die Pläne einsehbar. Sobald die Unterlagen des Kasseler Kalikonzerns K+S vollständig sind, geht die Genehmigungsbehörde ins Raumordnungsverfahren. Voraussichtlich 2015, denn mit einer Vorzugsvariante und Beteiligung der Öffentlichkeit. Um eine abschließende Baugenehmigung ginge es erst sehr viel später. Und um eine Bauentscheidung noch später, wie der Kasseler Konzern mehrfach betont hat.

Ob die Abwasserleitung zum Meer in den betroffenen Ländern politisch durchsetzbar ist, gilt auch als offen: Niedersachsens SPD hat, anders als die Grünen dort, bislang kein klares Ja zum Nordsee-Rohr formuliert. Und oben an der Küste passiert dasselbe wie an der Oberweser, wo eine denkbare Kurzvariante des Abwasserrohrs enden könnte: Vor Ort organisiert sich Widerstand.

Von Wolfgang Riek

In der gedruckten Ausgabe am Mittwoch lesen Sie außerdem: "K+S soll mehr Abwasser vermeiden".

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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