Klinikum Kassel intensiviert Aufklärung - 2010 gab es mehr Organspender

Sterben und Leben retten

Petra Wegermann

Kassel. Unglück und Glück, sterben und überleben - beim Thema Organspende gibt es immer diese beiden Seiten. Und die beiden Transplantationsbeauftragten des Klinikums Kassel, Dr. Petra Wegermann und Dr. Christian Roth, sehen bei ihrer Arbeit auf der Intensivstation häufig solch verschiedene Schicksale. Da sind zum einen Patienten, die zum Beispiel wegen eines Nierenversagens dringend auf ein Spenderorgan warten. Und da sind andererseits Patienten, die einen Hirntod erleiden und so als Organspender infrage kommen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl dieser potenziellen Organspender am Klinikum Kassel mit insgesamt 20 besonders hoch.

Das liege zum einen daran, dass das medizinische Personal vermehrt darauf achte, ob Patienten eventuell als Organspender infrage kommen. Und auch daran, dass mittlerweile ältere Menschen nicht mehr als Organspender ausgeschlossen seien. Denn auch viele ältere Patienten warten dringend auf eine neue Niere, Lunge, Leber, eine Bauchspeicheldrüse oder ein Herz.

„Oft ist es für die Angehörigen eine sehr schwierige Entscheidung, einer Organentnahme zuzustimmen“, weiß der leitende Oberarzt der Neurologisch/Neurochirurgischen Intensivstation Roth. Die Angehörigen befinden sich meist in einer schweren emotionalen Belastungssituation und seien häufig überfordert. Auch für das Pflegepersonal und die Ärzte seien dies schwierige Situationen. Deshalb betont er: Leichter werde es für alle Beteiligten, wenn der verstorbene Patient zu Lebzeiten einen Organspendeausweis besaß, eine Patientenverfügung hinterlassen hat oder seinen Willen wenigstens mündlich kundgetan hat.

Durch intensive, aufklärende und einfühlsame Gespräche versuche man, Angehörigen zu einer stabilen Entscheidung zu helfen. In 80 Prozent der Fälle stimmten die betroffenen Angehörigen im vergangenen Jahr übrigens einer Organentnahme zu. Bei einer durchschnittlichen Ablehnungsrate von 50 bis 70 Prozent ist dies eine hohe Zahl, sagt die leitende Oberärztin der chirurgischen Intensivstationen Wegermann. Beide Ärzte haben häufig erlebt, dass die Entscheidung zugunsten einer Organspende für trauernde Angehörige ein Trost in dieser schweren Situation war. So wie im Fall einer jungen Mutter, die fünf Kinder und einen Ehemann hinterließ. Für zwei Patienten waren ihre gespendete Niere und Leber unmittelbar lebensrettend, weiß Petra Wegermann. „Es gibt viele Menschen, die diese Organe dringend brauchen“, betont die Ärztin.

Man erlebe andererseits oft, dass die Verunsicherung und der Aufklärungsbedarf beim Thema Organspende groß sind. Dabei verweist sie aber zum Beispiel auf sehr strenge Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes, den zwei Ärzte unabhängig voneinander feststellen müssen. Auch dürfen in Deutschland ohne die Einwilligung des Verstorbenen oder stellvertretend seiner Angehörigen keine Organe entnommen werden.

Von Martina Heise-Thonicke

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