Polizeidirektor Uwe Papenfuß berichtete im Ausschuss über Drogenproblematik

„Stern ist Brennpunkt“

Uwe Papenfuß

Kassel. Offener Drogenhandel, Prostitution, Beschaffungskriminalität – darüber hatten sich Geschäftsleute am Stern und der türkische Unternehmerverband im November 2013 massiv beschwert. Die Stadt würde sie mit diesen Problemen allein lassen.

Ob die Zustände an der Ecke Untere Königsstraße/Kurt-Schumacher Straße wirklich so verheerend sind, das wollten die Mitglieder des Ausschusses für Recht und Sicherheit von Polizeidirektor Uwe Papenfuß in der Sitzung am Donnerstag erfahren. Der Direktor der Kasseler Polizeidirektion stellte gleich klar, dass der Stern ein „Kriminalitätsbrennpunkt“ in Kassel ist. Es sei allerdings nicht mehr „so dramatisch wie früher“. Auch wenn der Anstieg der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz 2013 mit 92 Fällen (2012: 58 Fälle) massiv zugenommen habe, sei das kein objektiver Beweis für eine tatsächliche Zunahme des Drogenhandels in diesem Bereich. Denn Drogenhandeldelikte fielen in 99,9 Prozent der Fälle nur auf, wenn die Polizei aktiv werde. Wenn nicht kontrolliert wird, gebe es auch keine Fälle.

Im November sei den Ermittlern ein Schlag gegen mehrere Drogenhändler am Stern gelungen, sagte Papenfuß. Danach sei es etwas ruhiger geworden. Er stellte aber klar, dass dies auch nur zu einer Verlagerung der Drogenproblematik führe. „Allein mit polizeilichen Maßnahmen kann man den Drogenkonsum nicht eindämmen“, sagte Papenfuß. Neben Strafverfolgung seien Prävention und Therapien wichtige Säulen der Bekämpfung.

Gegen Legalisierung

Ob es sinnvoill sei, weiche Drogen zu legalisieren, um die Beschaffungskriminalität einzudämmen, wollte der Stadtverordnete Thomas Koch wissen. Als Polizist müsste er das eigentlich „wunderbar“ finden, sagte Papenfuß – nicht ganz ernst gemeint, weil die Beamten dann mehr Zeit hätten, um sich um andere Dinge zu kümmern. Als Bürger lehne er die Legalisierung ab, weil damit die Sucht nicht bekämpft werden könne. „Das große Problem ist doch die Abhängigkeit. Alles dreht sich nur noch um die Drogen.“

Die Strafverfolgung sei sehr wichtig, so der Polizeidirektor. „Repression ist die beste Prävention.“ So bringe es nichts, in Schulen nur bunte Heftchen zu verteilen, wenn jemand mit Drogen erwischt worden sei. Den Jugendlichen müsse deutlich gemacht werden, dass der Konsum nicht gut und deshalb verboten ist.

Insgesamt sei die Zusammenarbeit zwischen der Polizei und der Stadt Kassel bei der Bekämpfung von Drogenkriminalität sehr gut, beantwortete Papenfuß eine Frage von Norbert Sprafke (SPD). An die Stadt und Bürgermeister Jürgen Kaiser hatte sich die Kritik der Geschäftsleute ja gerichtet. Dazu merkte Sprafke an, dass er es traurig finde, dass keiner der türkischen Unternehmer in den Ausschuss gekommen sei, um sich die Debatte anzuhören.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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