Thomas Ewald verabschiedet sich nach 27 Jahren von der Volkshochschule Region Kassel

Er hatte stets das Thema Nationalsozialismus im Blick

Thomas Ewald, Kassel
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Geht nach 27 Jahren bei der Volkshochschule Region Kassel in den Ruhestand: Thomas Ewald.

Eine Institution in der Stadt und namentlich in der Volkshochschule Region Kassel ist jetzt Geschichte: Thomas Ewald, der Programmverantwortliche für die Abteilung Geschichte und Politik sowie Alphabetisierung und Grundbildung verabschiedet sich nach 27 Jahren am Mittwoch, 11. November, in den Ruhestand.

Kassel – Sein Schwerpunkt lässt sich unschwer an seiner Bilanz von über 200 Veranstaltungen zum Thema Nationalsozialismus ablesen. Tausenden Menschen hat Thomas Ewald (65) ermöglicht, sich weiterzubilden, hat der studierte Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte vor allem das Thema Nationalsozialismus mit Blick auf die Region nahe gebracht. In seiner sachlichen, kompetenten, moderierenden Art war er dafür genau der Richtige. Er war der gut organisierte Dreh- und Angelpunkt für die Zusammenarbeit mit Institutionen und Einrichtungen – wie beispielsweise der Gedenkstätte Breitenau –, aber auch mit vielen Einzelpersonen. Keine Koryphäe auf dem Gebiet in Deutschland, die Ewald nicht nach Kassel geholt hätte, mit der er nicht im Austausch gestanden hätte.

Bereits als Student bei den Professoren Dietfrid Krause-Vilmar, Jens Kammler und Wilhelm Frenz habe er sich im Forschungsprojekt „Nordhessen im Nationalsozialismus“ engagiert. Seitdem hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen. Dass es in eng getakteter Regelmäßigkeit bei der Kasseler Volkshochschule auf dem Plan stand, ist Ewalds Verdienst. „Man muss immer wieder von vorne anfangen, die Arbeit ist nie getan“, sagt er.

Wichtig war Ewald stets die Aktualisierung des Forschungsstands und die Zusammenarbeit mit Fachleuten wie etwa mit Professor Jens Fleming, dem Experten für „Bürgertum und Nationalsozialismus“, Wolfgang Benz, dem ehemaligen Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TH Berlin, und Michael Wildt von der Humboldt-Universität Berlin, der sich vor allem der Täterforschung widmet. Das waren hochkarätige Referenten, an die Ewald stets den Anspruch stellte, dass sie auch von Nicht-Fachleuten verstanden werden. „Das war mir wichtig“, so Ewald.

Er räumt ein, dass es ihm nicht immer leicht gefallen sei, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Manchmal kommen einem die Tränen und man muss unterbrechen.“ Umso wichtiger sei eine sachliche Auseinandersetzung, um immer am Thema dranbleiben zu können.

Einen zweiten Schwerpunkt, für den sich Ewald in seiner Tätigkeit stark gemacht hat, war die Alphabetisierung. Wer, wenn nicht die Volkshochschule, nehme sich dieses Problems, von dem Zigtausende betroffen sind, denn schon an, fragt er.

Keine Frage: Ewald, der mit seiner Familie in Kassel wohnt, wird fehlen. Ein Trost ist, dass er der VHS als Kursleiter erhalten bleibt. In Zukunft wird Thomas Ewald Veranstaltungen anbieten zum Thema Deutsche und US-amerikanische Geschichte ebenso wie zur Geschichte des Rock ‘n’ Roll und des Hollywood-Films. „Mal was anderes“, sagt er und freut sich schon darauf.

Nach wie vor engagiert er sich im Vorstand der Gedenkstätte Breitenau und im Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“. Von Christina Hein

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