Steuer für gefährliche Hunde: Abgabe soll abschrecken

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Für die Halter solcher Hunde soll es teurer werden: Pitbull-Rüde „Jerry“ fletscht in einem Hamburger Tierheim die Zähne.

Kassel. 127 der 6000 Hunde, die in der Stadt Kassel gemeldet sind, brauchen eine Erlaubnis. Entweder gelten sie aufgrund der hessischen Hundeverordnung als Kampfhunde, oder das Tier ist als aggressiv aufgefallen.

Wenn der Halter seiner besonderen Verantwortung nicht nachkommt oder der Hund beim obligatorischen Wesenstest durchfällt, muss ihn das Ordnungsamt sicherstellen.

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„Wir haben gar keine andere Möglichkeit“, sagt Udo Hanika vom Kasseler Ordnungsamt. Aktuell hat die Stadt 17 Hunde bei einer Hundeschule in Niedermeiser (Kreis Kassel) untergebracht. Weitere Hunde stammen von Gemeinden aus der Region: zwei aus Staufenberg und je einer aus Immenhausen und Söhrewald.

„Wir geben viel Geld für Hunde aus, die wir meistens nicht vermitteln können“, sagt Bürgermeister Jürgen Kaiser. Er erhofft sich von der Steuererhöhung einen Ausgleich für die Ausgaben und eine Lenkungsfunktion. Im Kreis sinkt die Zahl der erlaubnispflichtigen Hunde seit Jahren: 2009 waren es 123, im vergangenen Jahr nur noch 107, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Kaiser nimmt das als Zeichen dafür, dass ein höherer Steuersatz für gefährliche Hunde Wirkung zeigt.

Auch Udo Hanika geht davon aus, dass die höheren Kosten im Umland eine abschreckende Wirkung haben. Er beobachte Fälle, in denen Hunde, die im Kreis gemeldet waren, an Bekannte in der Stadt weitergereicht wurden. Der Steuer wegen.

Hund ist selten schuld

An den Kosten für die Unterbringung gefährlicher Hunde wird das kurzfristig wenig ändern. Nur selten würden Hunde, die erst einmal sichergestellt wurden, wieder vermittelt. Dabei sei meistens nicht der Hund schuld, dass ihn das Ordnungsamt holt, sondern der Halter, der die Auflagen nicht erfüllt hat. „In zehn Jahren hatten wir vielleicht drei Hunde, die tatsächlich ein aggressives Wesen zeigten“, sagt Hanika.

Vermittelt werden könnten fast immer nur Welpen, die der neue Halter selbst erziehen kann. Ältere Hunde blieben lange in der öffentlichen Unterbringung - oft bis zum Tod. Eingeschläfert werden dürfen sie nur, wenn sie einen Menschen totgebissen haben oder sie so aggressiv sind, dass sie nicht mehr gepflegt werden können, sagt Hanika.

Er kennt viele Fälle: Ein Schäferhund-Mix, der einem Obdachlosen gehörte und lange unauffällig war, ist seit eineinhalb Jahren auf Kosten der Stadt untergebracht. Er hatte zwei Polizisten gebissen, mit denen der Obdachlose Streit hatte. Jeder Tag, den der Hund in Niedermeiser verbringt, kostet die Stadt 10,50 Euro.

Von Marcus Janz

Viele Gemeinden und Städte im Landkreis Kassel haben bereits eine höhere Steuer für gefährliche Hunde eingeführt. Die Hebesätze im Landkreis fallen allerdings nicht so hoch aus wie von Kassel geplant. Während die Großstadt laut Bürgermeister Jürgen Kaiser 800 bis 1000 Euro pro gefährlichem Hund verlangen will, liegt der erhöhte Steuersatz im Landkreis niedriger: Baunatal verlangt 490 Euro, Schauenburg 588 Euro, Niestetal 600 Euro und Fuldatal sogar 720 Euro – das Zehnfache des regulären Steuersatzes. Die Stadt Vellmar hingegen verzichtet auf eine höhere Hundesteuer. Laut Hauptamtsleiter Stephan George wird sich daran auch nichts ändern. Die Zahl der erlaubnispflichtigen Hunde sei seit Jahren rückläufig. Derzeit sind es noch fünf Tiere, bei insgesamt 1000 Hunden in Vellmar. „Auf eine Lenkung durch die Steuer können wir deshalb gut verzichten“, sagt George. (mcj)

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