In die Höhe geschnellt

Steuerbetrug in Nordhessen: Viermal so viele Selbstanzeigen

Kassel. Der Fall von Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß hat vielen Steuersündern in der Region offensichtlich Angst gemacht: Die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung hat sich in Nordhessen 2013 nahezu vervierfacht.

511 Selbstanzeigen sind im vergangenen Jahr beim Finanzamt Kassel II-Hofgeismar eingegangen. Im Jahr 2012 gab es 136 Selbstanzeigen. Das Finanzamt ist im Bereich der Steuerstraftaten für Stadt und Landkreis Kassel sowie Eschwege-Witzenhausen, Fulda, Hersfeld-Rotenburg, Korbach-Frankenberg und Schwalm-Eder zuständig. Knapp 36 Millionen Euro zusätzlich sind der Staatskasse allein im Bereich Nordhessen durch die Selbstanzeigen im vergangenen Jahr zugeflossen, berichtet Siegfried Werling von der Oberfinanzdirektion (OFD) Frankfurt am Main.

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Hessenweit ist die Zahl der sich offenbarenden Steuersünder sogar noch deutlicher in die Höhe geschnellt: Gaben 2012 noch 492 Hessen aus freien Stücken ihren Steuerbetrug beim Finanzamt an, stieg die Zahl der Selbstanzeigen im vergangenen Jahr auf 2844. Landesweit wurden dadurch zusätzlich 127,5 Millionen Euro Steuern eingenommen. Nur 2010 hatten sich nach dem Ankauf einer Schweizer Daten-CD noch mehr Hessen (3467) selbst angeschwärzt.

Man könne durchaus von einem „Hoeneß-Effekt“ im Jahr 2013 ausgehen, sagte der Sprecher der Oberfinanzdirektion. Anfang 2013 hatte die Selbstanzeige von Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, Schlagzeilen gemacht. Es gebe einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Medieberichterstattung zum Thema und den eingehenden Selbstanzeigen, sagte Werling. Das habe man auch bei den Berichten zu CD-Ankäufen mit Bankdaten aus der Schweiz gesehen.

Mit einer Selbstanzeige versuchen Steuersünder einer Strafe zu entgehen. Hoeneß’ Selbstanzeige war allerdings nicht wirksam: Er muss sich im Frühjahr vor Gericht verantworten. ZUM TAGE, 2. SEITE

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