In Wiesbaden schießt ein 54-Jähriger um sich – seine Söhne waren an Messerattentat im Wesertor beteiligt

Stiche in Kassel, Schüsse in Wiesbaden

Kurz nach der Tat: Auf der Hartwigstraße, wo Notarzt und Rettungsdienst stehen, wurden am 30. August 2004 zwei junge Männer niedergestochen. Der Vater der mutmaßlichen Täter von damals hat vor einigen Tagen in Wiesbaden um sich geschossen. Archivfoto: Zucchi/dpa

Wiesbaden / Kassel. Fünfmal hat ein 54-Jähriger am Abend des 19. Mai im Wiesbadener Westend geschossen. Dabei verletzte er einen 31-Jährigen. Seitdem sitzt der 54-Jährige in Untersuchungshaft. Es ist nicht das erste Mal, dass seine Familie mit dem Gesetz in Konflikt gerät. Die Schüsse haben möglicherweise eine Vorgeschichte in Kassel.

Über das Motiv des 54-Jährigen gibt es noch keine genauen Erkenntnisse. Von banalen Gerüchten und Streitigkeiten im Türsteher-Milieu ist die Rede. Nach Recherchen des Wiesbadener Kuriers hat sich der Mann, der bis 2005 noch in Kassel wohnte, die Waffe aber möglicherweise aus Angst vor Racheakten zugelegt.

Drei seiner Söhne waren im August 2004 an einer Messerstecherei im Stadtteil Wesertor beteiligt. Dabei starben auf der Hartwigstraße ein 23-jähriger Deutscher und ein 24-jähriger Türke. Nach einem Prozess über 26 Wochen wurden die drei Brüder im November 2005 vor dem Kasseler Landgericht zu teils hohen Haftstrafen verurteilt. Der Älteste muss für mehr als zwölf Jahre ins Gefängnis, sein nächstjüngerer Bruder für siebeneinhalb Jahre.

Relativ glimpflich kommt der jüngste Sohn des 54-Jährigen davon. Weil er zur Tatzeit erst 16 Jahre alt ist, wird er zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Ein vierter 25-jähriger Mitangeklagter muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Nach dem Urteil gibt es Tumulte im Landgericht. Angehörige der Opfer sind erbost über die ihrer Ansicht nach viel zu milden Strafen. Die HNA berichtete damals: Von Polizeibeamten des Spezialeinsatzkommandos wurden sie an Handgreiflichkeiten gehindert und aus dem Gerichtsgebäude gewiesen. „Wie kann man denn jemanden umbringen und dann auf Bewährung rauskommen?“, schrie die Schwester des ums Leben gekommenen Türken weinend.

Einen direkten Zusammenhang zwischen der Messerstecherei im August 2004 und den Schüssen vor knapp zwei Wochen in Wiesbaden gibt es wohl nicht. Aber offenbar fühlte sich der 54-Jährige nach den Vorkommnissen nicht mehr sicher.

Am Abend des 19. Mai sollen ihm im Innenhof des Hauses, in dem er mit seiner afghanisch-stämmigen Familie wohnt, sechs Männer gegenübergestanden haben. Diese seien angerückt zur „Aussprache“ mit dem heute 22-jährigen Sohn, schreibt der Wiesbadener Kurier. Dann soll der 54-Jährige geschossen haben. (clm)

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