Fotokalender richtet sich gegen Ablehnung

Stört das Stillen in der Tram?

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Motiv für den Fotokalender: Jenny Hüneburg wurde so von Markus Lambrecht in einer Kasseler Tram fotografiert.

Kassel. „Das Stillen von Babys ist doch das Natürlichste auf der Welt. Dennoch stößt eine Frau, die ihr Baby in der Öffentlichkeit an die Brust nimmt, immer wieder auf offene Ablehnung.“ Der 49-jährige Fotograf Markus Lambrecht aus Calden weiß, wovon er spricht. Viele negative Erfahrungen machen er und seine Frau Anke Garba, seitdem ihre Tochter auf der Welt ist.

Wenn das Baby gestillt wird, sind offene Anfeindungen und Pöbeleien an der Tagesordnung.

Aus diesem Grund hat sich das Paar ein außergewöhnliches Projekt vorgenommen. Mit einem Fotokalender für das Jahr 2015 sollen Frauen an öffentlichen Plätzen in und um Kassel gezeigt werden, die ihren Kindern die natürlichste Nahrung der Welt geben: Muttermilch. „Wir wollen ein klares Zeichen für das Stillen setzen“, sagt Anke Garba. „In unserem Kalenderprojekt mit dem Titel Still Leben wollen wir moderne Frauen zeigen, die ganz selbstbewusst, auch in der Öffentlichkeit, ihr Kind stillen. Ob in der Fußgängerzone, im Supermarkt, im Wartezimmer oder im Bus.“ Nachdem sie ihr Vorhaben im Internet veröffentlicht hatten, kam eine Riesenwelle von Müttern auf das Caldener Paar zu, die von negativen Reaktionen auf das Stillen ihrer Kinder berichteten. Viele boten an, als Fotomodell zur Verfügung zu stehen.

Informationen zum Projekt finden Sie auf Facebook.

Beispielsweise Michelle Collins (27) aus Fuldatal mit dem fünfeinhalb Monate alten Lio und Jenny Hüneburg (30) mit Antonio (zehn Wochen) aus Ahnatal. Am Freitag machte Lambrecht Aufnahmen von Jenny und Antonio in der Tram und von Michelle und Lio im Park.

Die jungen Mütter müssen nicht lange überlegen, um von massiven verbalen Angriffen ihrer Umwelt zu erzählen: Vor einer Woche erst hatte sich Jenny auf dem Parkplatz eines Einkaufzentrums in Kassel mit ihrem Baby zum Stillen in ihr Auto zurückgezogen, als es an ihre Fensterscheibe klopfte und ein älteres Ehepaar sie aufgeregt beschimpfte und ihr Erregung öffentlichen Ärgernisses vorwarf. Ebenfalls wenige Tage ist es her, dass Michelle auf dem Friedrichsplatz von einer Gruppe junger Erwachsener beschimpft wurde. Sie sei „pervers“, war noch die harmlose Pöbelei. „Ich habe am ganzen Körper gezittert“, sagt Michelle, „bin aber anschließend zu der Gruppe hingegangen und habe gesagt: ,Ich gebe meinem Kind doch nur zu essen‘.“

Von Christina Hein

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