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Stimmen gegen den Hass

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Von: Thomas Siemon

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Bedrohliche Spitzen: Christoph Hesse (rechts) gestern beim Aufbau auf dem Friedrichsplatz.
Bedrohliche Spitzen: Christoph Hesse (rechts) beim Aufbau auf dem Friedrichsplatz. © Thomas Siemon

Auf dem Friedrichsplatz entsteht gerade ein neues Kunstwerk. Eine Reaktion auf den Skandal um antisemitische Bildsprache, eine vergiftete Debatte und Anfeindungen.

Kassel – . „Wir wollen unsere Stimme erheben und die Gelegenheit zu Reaktionen aus der Bevölkerung geben“, sagt Christoph Hesse. Deshalb trägt das Kunstwerk den Titel Voices (Stimmen). Der 45-jährige Architekt mit einem Büro in Korbach ist mit einigen Kolleginnen und Kollegen schon von Anfang an auf der documenta vertreten. Die Rampe zum Eingang an der Hafenstraße 76, der Turm neben dem Hallenbad Ost, der Kubus aus Kohle auf dem Friedrichsplatz – diese sogenannten Reflecting Points sind in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten entstanden.

Und jetzt entwickelt sich gerade eine große Holzkonstruktion vor der documenta-Halle zu einem weiteren Teil der Ausstellung. In Absprache mit der künstlerischen Leitung der documenta, wie Hesse betont. Er habe Iswanto Hartono von Ruangrupa angesprochen, der von der Idee sofort begeistert gewesen sei. Wenn so ein Vorschlag aus der Bevölkerung komme, dann sei man dafür offen und unterstütze das.

So schnell kann das also von der Idee zur Umsetzung bei dieser Kunstausstellung gehen. Noch ist die Holzkonstruktion nicht ganz fertig. Aber man kann schon hineingehen. Da sieht man dann unter der Decke einen großen Keil, aus dem ganz viele kleinere Keile herausragen. Bedrohlich, weil sie mit ihren Spitzen auf den Betrachter gerichtet sind. Das sei symbolisch für die vielen Hassbotschaften im Internet und anderswo, sagt Hesse.

Einen Gegenpol wollen unter anderem Schülerinnen und Schüler des CJD-Gymnasiums aus Versmold (Nordrhein-Westfalen) setzen. Dort sind die Sommerferien bereits vorbei. Gestern hat die Jahrgangsstufe 12 einen Ausflug nach Kassel gemacht. Gut vorbereitet, denn es gab bereits im Vorfeld Kontakte zwischen einer Lehrerin und dem Initiator der Kunstaktion. Jede Menge weiße T-Shirts mit aufgemalten Botschaften gegen Hass, Rassismus und Antisemitismus hatte die Gruppe im Gepäck. Entstanden nach einer Unterrichtseinheit zur aktuellen documenta.

Das ist erst der Anfang. Weitere Schulen werden folgen, nach den Ferien in zwei Wochen auch aus Kassel und Umgebung. Ziel ist es, die Holzkonstruktion mit ganz vielen positiven und optimistischen Botschaften zu bestücken. Symbolisch etwas gegen die gefährlichen Spitzen zu tun. Dabei sei man weiter offen für alle, die sich beteiligen wollen, sagt Christoph Hesse. (Thomas Siemon)

Mit Tüchern bespannt: Die Holzkonstruktion vor der documenta-Halle wird ihr Gesicht noch verändern.
Mit Tüchern bespannt: Die Holzkonstruktion vor der documenta-Halle wird ihr Gesicht noch verändern. © Privat
Machen bei der T-Shirt-Aktion mit: Miriam Schur (von links), Nora Lippold und Lea Trumpf.
Machen bei der T-Shirt-Aktion mit: Miriam Schur (von links), Nora Lippold und Lea Trumpf. © Privat

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