Viele Professoren erhalten in Kassel bereits zur Berufung eine Zulage

Nach Verfassungsgerichtsurteil: Uni stockt Gehälter auf

Können auf mehr Geld hoffen: Laut Verfassungsgericht ist das Grundgehalt hessischer Professoren zu niedrig. Archivfoto: dpa

Kassel. Professoren an hessischen Hochschulen dürfen auf mehr Geld hoffen. Das Land will ihre Besoldung ändern, nachdem das Verfassungsgericht geurteilt hat, ihre Bezahlung sei zu niedrig. An der Universität Kassel entspricht das Gehalt vieler Professoren aber bereits jetzt den Forderungen der Richter.

Das teilte Uni-Sprecher Dr. Guido Rijkhoek auf Anfrage der HNA mit. Schon bei der Berufung neuer Professoren werde in der Regel eine Zulage vereinbart. „Wenn wir gute Leute nach Kassel holen wollen, müssen wir sie auch gut bezahlen“, sagte Rijkhoek. Auch Uni-Präsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep hatte kürzlich erklärt, Professoren würden fast nie zum Grundgehalt berufen.

Guido Rijkhoek

Wie viel sie tatsächlich verdienen, hänge allerdings – genauso wie die in einer internen Satzung geregelten Leistungszulagen – vom Einzelfall ab. Über die Höhe wollte Rijkhoek deshalb keine Angaben machen. Das Wissenschaftsministerium teilte mit, dass hessische Hochschullehrer der vom Gericht gerügten Besoldungsgruppe W2 im Schnitt 5689 Euro verdienen. Das Grundgehalt liegt für sie bei 4239 Euro plus 212 Euro Landeszulage.

Die Uni Kassel honoriert aber auch viele zusätzliche Leistungen: Auszeichnungen in Forschung und Lehre, die Entwicklung neuer Lehrangebote, Patente, die Betreuung von Promotionen und die Anwerbung von Drittmitteln sind einige Beispiele. „Es ist an fast alles gedacht, was über den alltäglichen Betrieb hinausgeht“, sagte Rijkhoek.

Die Hochschulleitung überprüfe regelmäßig die Leistung der Professoren. Danach würden die Zuschläge nach der Uni-Satzung gewährt. Da Leistung erst seit 2005 verstärkt honoriert werden kann, entwickele sich dieses System erst. Langfristig dürften neun von zehn Professoren Leistungsbezüge erhalten.

77 Professoren betroffen

Vom Urteil des Verfassungsgerichts sind in Kassel direkt 77 W2-Professoren betroffen. Aber auch für sieben Juniorprofessoren (W1) und 70 Lehrer der Spitzengruppe W3 dürfte die Neuregelung der Besoldung durch das Land Folgen haben. Erst danach kann die Uni ihre Satzung ändern. Die Hochschule erwartet, dass die Akademiker künftig einen Rechtsanspruch auf Leistungszulagen haben werden, die bisher freiwillig gewährt wurden. Zusammen mit den Hochschullehrern, die noch nach den alten Besoldungsregeln bezahlt werden, arbeiten an der Uni derzeit mehr als 300 Professoren.

Prof. Dr. Dieter Wloka, Vertreter des Deutschen Hochschulverbands (DHV) an der Uni Kassel, begrüßte das Urteil. Die Leistungsprämien seien problematisch, Kriterien für ihre Vergabe nur schwierig zu finden. Die Reform von 2005 habe eine deutliche Absenkung der Gehälter zur Folge gehabt, zumal die Prämien sehr niedrig seien. Er erwarte, dass die Besoldungsprobleme nun adäquat gelöst werden.

Von Marcus Janz

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