Reinhards- und Habichtswald sind für den Erhalt der Artenvielfalt wichtig

Störche nisten wieder

Claus

Kassel. Als großes Plus für die Artenvielfalt in Nordhessen sieht der Landschaftsplaner Claus Neubeck von der Uni Kassel den Bestand von Buchenwäldern in unserer Region.

Reinhards- und Habichtswald seien deutlich naturnäher als die Fichtenforste, die in anderen Bundesländern dominierten. Deswegen habe sich in diesen relativ intakten Gebieten beispielsweise wieder der Schwarzstorch und der Uhu ansiedeln können. Vor diesem Hintergrund warnt der Ökologe Horst Koenies, Windkraftanlagen in Wäldern aufzustellen.

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An steilen, sonnigen Hängen wüchsen viele Orchideen und seltene Bäume wie die Elsbeere und die Flaumeiche. Während die einen Arten sehr erfolgreich geschützt werden können, ist das bei anderen Arten schwieriger. Beispielsweise bei der Unke. Sie saß früher in jeder größeren Pfütze, vor allem in den Fluss- und Bachauen und tiefen Wagenspuren. Seit jeder Feldweg befestigt und die Gewässer ausgebaut sind, brach ihr der Lebensraum weg. In Kassel kam sie zuletzt in den Panzerfahrspuren der Dönche vor. Noch überlebt sie mit Hilfe der Naturschützer und engagierter Grubenbesitzer in wenigen Kiesgruben, sagt Neubeck.

Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr

Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Feldhamster: Lebensraum: Ackerlandschaften und Steppen Gefährdung: moderne Landwirtschaft und Ackerbau © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Der Rote Milan: Seine Verbreitung beschränkt sich im Wesentlichen auf Europa. Über 50 Prozent des Gesamtbestandes dieser Art brüten in Deutschland. Lebensraum: Bevorzugte Lebensräume sind Agrarlandschaften mit Feldgehölzen, oft auch Parklandschaften. Gefährdung: Abschuss, Kollisionen mit Hindernissen und Stromleitungen sowie Vergiftungen sind die häufigsten Todesursachen. © 
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Kiebitz: Lebensraum: Offene, flache Landschaften mit kurzem oder gar keinem Gras. Gefährdung: Intensivierung der Landwirtschaft. © 
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Biber: Lebensraum: Fließende und stehende Gewässer, Uferbereiche Gefährdung: Jagd, Rodung und Ackerbau © 
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Feldhase: Lebensraum: Offene Landschaften und Steppen Gefährdung: moderne Landwirtschaft - Dünger und Pestizide © 
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Luchs: Lebensraum: Große Waldareale mit dichtem Unterholz und offene Landschaften Gefährdung: Jagd und Ausrottung © 
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Rebhuhn: Lebensraum: Baum und Strauchsteppen, Heiden und Brachlandschaften Gefährdung: Landwirtschaftsmaschienen © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Er hat seine Brutgebiete in Europa: Lebensraum: Laubwälder und Laubmischwälder mit Fließgewässern, Tümpeln. Gefährdung: Hochspannungsleitungen und Windstromanlagen © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Gelber Frauenschuh: Er ist eine der prächtigsten wildwachsenden Orchideenarten Europas und steht unter strengstem Schutz. Lebensraum: Bevorzugt wächst er in schattigen Laubwäldern oder an buschigen Berghängen. Gefähdung: Forstwirtschaft, die keine Waldentwicklung zulässt. © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr © 
Artenvielfalt in Nordhessen in Gefahr
Herkulesstaude: Die ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Pflanze hat sich in Europa und Nordamerika ausgebreitet. Lebensraum: Sie ist in Gärten, Parks, an Straßenrändern, in Bach- und Flusstälern sowie auf Brachen anzutreffen. Weil sie die heimische Pflanzenwelt verdrängt, wird sie bekämpft. © 
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„In einem der dicht besiedelsten Länder der Welt wie Deutschland sollten wir sorgsam mit der Fläche umgehen“, mahnt Koenies. Neubeck und Koenies geißeln aber auch die Überintensivierung in der Landwirtschaft, die durch Spritzen und Düngen den Artenreichtum reduziert haben. Allerdings möchten sie die Landwirte nicht als böse Buben hingestellt wissen. Der Verbraucher gebe zu wenig Geld für ein gutes Lebensmittel aus. Die Landwirte seien deswegen gezwungen, auf Masse zu setzen. „Unsere Bauern müssten flächenbezogen bezahlt werden und nicht über die Menge“, fordert Koenies.

Ein Dorn im Auge ist den Naturschützern insbesondere die Versalzung der Werra, durch die fast komplett die natürliche Wasserfauna wegbrach. Auch der Ausbau der A 49, das geplante Ferienressort Beberbeck bei Hofgeismar sowie die Erweiterung des Flughafens Kassel-Calden stehen bekanntlich in der Kritik.

Die Untere Naturschutzbehörde, eine Abteilung des städtischen Umwelt- und Gartenamtes, hat im Zuge einer Bestandsaufnahme für FFH-Gebiete kürzlich den Lebensraum der Eidechse untersucht, die gerne entlang von Bahndämmen lebt. „Der Bestand in Kassel sieht recht gut aus“, sagt Gartenamtsleiterin Regula Ohlmeier. Sorgenkind ist hingegen die aus dem Kaukasus eingewanderte Herkulesstaude, die sich aggressiv ausbreitet und die heimischen Pflanzen verdrängt Mit ihr wird nicht gespaßt: Sie wird verbrannt, damit sie sich nicht weiter vermehren kann. Fotos: Harbusch/privat/nh

Von Beate Eder und Martin Harbusch

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