Künstler Gunter Demnig verlegte elf Gedenkplaketten für NS-Opfer in Kassel

Steine gegen das Vergessen

Kassel. 80 Jahre nach der Machtergreifung der Nazis erinnern jetzt elf Stolpersteine an sieben verschiedenen öffentlichen Plätzen in Kassel an Opfer der NS-Herrschaft. Am Mittwoch setzte Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine, die die Namen und Daten von Verstorbenen aus Kassel tragen.

1995 wurde der erste Stolperstein in Köln verlegt. Kassel ist die 135. Stadt, die sich dem Projekt anschließt. Für 120 Euro kann jeder Kasseler eine Patenschaft für einen Stein mit der Messingplatte übernehmen, der von Künstler Demnig verlegt wird. Darauf stehen dann die Namen und Daten des Opfers.

„Wir wollen damit ein deutliches Zeichen gegen neue und alte Nazis setzen“, sagte Jochen Boczkowski, Vorsitzender des Vereins „Stolpersteine in Kassel“. Gerade vor dem Hintergrund der Verschmutzung der Gedenktafel von Halit Yozgat seien Erinnerungen an die unterschiedlichen Opfer des NS-Terrors von besonderer Bedeutung, sagte Boczkowski vor dem Setzen des ersten Steines von Kurt Finkenstein in der Karthäuserstraße.

Über 50 Bürger, Medienvertreter und Vereinsmitglieder waren gekommen, um bei der Kunstaktion dabei zu sein, die zunächst in Kassel umstritten war: „Es hat viele Diskussionen über die Steine gegeben“, sagte Boczkowski. Manche hätten gesagt, es solle Schluss mit dem Wühlen in der Vergangenheit sein. Damit bezog er sich auf die Kritik der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, die die Aktion abgelehnt hatte.

Diese Position hatte auch die Jüdische Gemeinde in Kassel angenommen, weshalb das Verlegen der Steine zunächst nicht in der Stadt, sondern auf privaten Grundstücken erfolgte. Jetzt sei man die 135. Stadt, die sich dem Projekt angeschlossen habe, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen „Damit sind wir nicht zu spät.“

Respekt vor Gemeinde

Die Entscheidung, die Steine jetzt zu setzen, sei aus Respekt vor der Jüdischen Gemeinde gefallen. „Ich hoffe, dass viele Bürger eine Patenschaft für eine Tafel übernehmen“, sagte Hilgen. Der Oberbürgermeister ist selbst Pate solch einer Gedenktafel. Diese erinnert jetzt in der Parkstraße 31 an Regina Deborah Schiff, die 1943 in Auschwitz ermordet wurde. Extra aus Amerika angereist waren die Enkel und Urenkel von Schiff, die das Setzen des Steins miterleben wollten.

Wichtig für Jugendliche

„Die Steine sind eine sehr wichtige Erinnerung“, sagte Ulrich Schneider, der ebenfalls dem Verein Stolpersteine angehört.

Gerade für junge Menschen sei es von großer Bedeutung, sich an bestimmten Orten in Kassel mit dieser Zeit zu beschäftigen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.