Illegal Waffen gekauft

Ex-Kollege von Lübcke-Mörder Stephan Ernst: Strafe steht fest

Vom Oberlandesgericht Frankfurt verurteilt: Stephan Ernst, der den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke 2019 erschossen hat. Um Ernst ging es nun auch im Untersuchungsausschuss.
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Vom Oberlandesgericht Frankfurt verurteilt: Stephan Ernst, der den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke 2019 erschossen hat.

Er kaufte Waffen vom Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Nun wurde der ehemalige Arbeitskollege von Stephan Ernst verurteilt.

Kassel – Als Staatsanwalt Matthias Grund am Donnerstag (16.09.2021) am Amtsgericht Kassel sein Plädoyer beginnt, redet er nicht nur über den Angeklagten, sondern auch über den Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Der Beschuldigte habe „ein bisschen Pech gehabt: nämlich, dass an seinem Arbeitsplatz direkt neben ihm Stephan Ernst arbeitete.“

Elf Waffen kaufte der 50-Jährige aus Fuldabrück von dem Kasseler Rechtsextremisten, wie er zugab – darunter eine halbautomatische Kurzwaffe und reichlich Munition. Wegen unerlaubten Waffenbesitzes wurde der Mann gestern zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Zudem muss er 2000 Euro zahlen.

Ex-Kollege von Lübcke-Mörder „ein völlig unbeschriebenes Blatt“

Staatsanwalt Grund war sich sicher, „dass wir ihn mit keiner einzigen Straftat wiedersehen werden“. Das sahen auch Richterin Manuela Focke und die beiden Schöffen so. „Sie sind ein völlig unbeschriebenes Blatt“, sagte Focke zum Angeklagten.

Dessen Leben hat sich seit der Verhaftung seines Ex-Kollegen Ernst im Juni 2019 grundlegend verändert. In einer ersten Vernehmung hatte der Lübcke-Mörder ausgesagt, zwei Arbeitskollegen Waffen verkauft zu haben. Als der gelernte Schlosser Ende Juni gerade zur Nachtschicht aufbrechen wollte, fuhren die Ermittler vor und durchsuchten sein Haus, das ein Beamter gestern als „messiehaft“ beschrieb.

Schon damals war der Beschuldigte geständig. Er brachte den Polizisten sogar noch Waffen aufs Revier, die sie im Durcheinander nicht gefunden hatten. Die Firma musste er nach 18 Jahren verlassen. Die Chefs hätten alles, was mit Ernst zu tun gehabt habe, nicht mehr haben wollen.

Kaufte Waffen beim Lübcke-Mörder Stephan Ernst: Mann soll „Sammelsucht“ haben

Der Mann, ein Einzelkind, lebt weiter im Haus seiner gestorbenen Eltern, hat zwar einen neuen Job, aber nach wie vor kaum soziale Kontakte. Im Dorf sei er angefeindet worden, auch wegen seiner Sprachbehinderung. Vom Vermögen nach dem Erbe, das 250.000 Euro betrug, ist kaum mehr etwas übrig, weil er ständig Platten und andere Sachen kauft. Schon mit Ernst hatte er sich oft über Utensilien aus dem Zweiten Weltkrieg unterhalten. Staatsanwalt Grund bescheinigte ihm eine „Sammelsucht“.

Vor einem Jahr hatte der Mann als Zeuge im Frankfurter Lübcke-Prozess ausgesagt. Damals ging es im Oberlandesgericht auch um die Frage, ob er Schmiere stand, als Ernst die Tatwaffe auf dem Gelände des gemeinsamen Arbeitgebers vergrub, wie der Lübcke-Mörder ausgesagt hatte. In Frankfurt stritt sein Ex-Kollege dies ab.

Mordfall Walter Lübcke: Angeklagter will mit Kapitel Stephan Ernst abschließen

Gestern war all das kein Thema. Während Ernst sich für den bewaffneten Kampf vorbereitet hatte, fand es der Angeklagte nur „schön“, Pistolen und Gewehre zu besitzen, wie er sagte. Die Waffen lagen in der Wohnung verteilt, einen Schlagring fanden die Ermittler im Küchenschrank. Geschossen haben will er nur ein einziges Mal - in der Pause einer Nachtschicht mit Ernst.

Richterin Focke konnte „keinerlei Bezug zu terroristischen oder rechten Netzwerken“ erkennen. Der Angeklagte beteuerte, das Sammeln der Waffen sei eine Dummheit gewesen, die er sich nicht erklären könne. Die Waffen sollen auf seinen Wunsch vernichtet werden. So will er abschließen mit dem Kapitel Stephan Ernst. (Matthias Lohr)

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