Von vier zu drei Jahren Haft

Aus dem Gericht: Strafnachlass für Grapscher

Kassel. „Ich habe das nicht gemacht“, beteuerte der 30-Jährige aus Witzenhausen unter Tränen auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts. „Das ist ein fieses Spiel, das hier betrieben wird.“

Vor zwei Jahren war der ehemalige Abteilungsleiter eines Kasseler Lebensmittelmarktes von der 5. Strafkammer wegen sexueller Übergriffe gegen eine Mitarbeiterin und eine Auszubildende zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Dagegen war er erfolgreich in Revision gegangen.

Deshalb musste sich eine andere Kammer des Landgerichts erneut mit dem Fall befassen. Allerdings ging es lediglich um das Strafmaß. Da die Anklagepunkte, die eine Auszubildende betrafen, eingestellt wurden, hatte die 1. Kammer nur über drei Fälle zu befinden, die eine ehemalige Kollegin des Angeklagten betreffen.

Laut Anklage zerrte der 30-Jährige diese Kollegin in einen Büroraum, warf sie auf einen Tisch und griff ihr an die Brüste. In einem zweiten Fall soll er die Frau zu Boden geworfen und ihr in den Slip gegriffen haben. Und in einem dritten Fall habe er der Frau sein Geschlechtsteil in den Mund gesteckt. Im ersten Verfahren hatte er alle Vorwürfe bestritten und behauptet, gegen ihn sei eine Intrige gesponnen worden. Dafür machte er den stellvertretenden Marktleiter verantwortlich. In Kassel war ihm wegen der Vorwürfe gekündigt worden, heute ist er Abteilungsleiter in einem Markt einer anderen Kette.

Sein Verteidiger Steffen Stern erklärte, sein Mandant sei zu Unrecht verurteilt worden. Er verwies darauf, dass die Anzeige der Mitarbeiterin nach einer mit dem stellvertretenden Marktleiter durchzechten Nacht erfolgt sei. Die beiden, so der Verteidiger, hätten ein Verhältnis miteinander gehabt, „das können wir beweisen“. Deshalb sei „die ganze Geschichte gelogen“. Stern bat um eine milde Strafe.

Chance für offenen Vollzug

Staatsanwalt Jan Uekermann fordert drei Jahre. Diesem Antrag folgte das Gericht dann auch. Es hielt dem Angeklagten zugute, dass er nicht vorbestraft war und seit der Tat „beruflich und privat gefestigt“ lebt, zudem habe das Revisionsverfahren fast ein Jahr gedauert, was berücksichtigt werden müsse. Mit Blick auf diese Umstände stünden die Chancen auf eine Verbüßung der Strafe im offenen Vollzug gut. Ob es ein Komplott gegen den Angeklagten gegeben hat oder nicht, das könne nur in einem Wiederaufnahmeverfahren an einem anderen Landgericht geprüft werden. (pas)

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