Strafvollstreckungskammer

Straftäter Gäfgen und Meiwes könnten aus Anstalt in Wehlheiden entlassen werden

Thomas O. (Gäfgen)

Kassel. Theoretisch könnten in diesem Jahr sowohl der Kindsmörder Gäfgen als auch der Kannibale Meiwes nach jeweils 15 Jahren Haft aus der Sozialtherapeutischen Anstalt in Wehlheiden entlassen werden.

Darüber muss die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Kassel entscheiden.

Bei Dr. Martin Kolter, Sprecher des Kasseler Landgerichts, stand am Mittwoch das Telefon kaum still. Dass der Mörder des Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler, der in der Sozialtherapeutischen Anstalt (Sotha) in Kassel eine lebenslange Haft absitzt, vorzeitig entlassen werden will, sei bundesweit auf großes Medieninteresse gestoßen, sagt Kolter. „Wie kaum in einem anderen Fall.“

Der 42-jährige Magnus Gäfgen, der sich vor drei Jahren in Thomas David Lukas O. umbenannt hat (wegen der Resozialisierung), war im Jahr 2003 vor dem Landgericht Frankfurt zu einer lebenslangen Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt worden. Er hatte im September 2002 den elfjährigen Jakob entführt und ermordet. Darüber hinaus hatte der Fall für Schlagzeilen gesorgt, weil der damalige Frankfurter Polizeivizepräsident dem Verdächtigen Gäfgen im Verhör mit Folter gedroht hatte, um das Leben des Jungen zu retten.

Armin Meiwes

Die 15 Jahre Mindesthaft, die es bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe gibt, liefen in diesem Fall im Herbst dieses Jahres ab, sagt Kolter. Immer wenn die Entlassungszeit nahe, wende sich die Justizvollzugsanstalt an die Strafvollstreckungskammer. Da im Fall des Kindsmörders bei der Verurteilung die Schwere der Schuld festgestellt wurde, prüfe die Strafvollstreckungskammer, ob die Mindestverweildauer für den Häftling aufgestockt werden muss. Zum Beispiel auf 17 oder 20 Jahre. Wenn dies der Fall wäre, würde erst nach diesem Zeitraum geprüft, ob der Inhaftierte entlassen werden kann.

Dazu hole die Kasseler Kammer, der drei Berufsrichter angehören, Gutachten sowie Stellungnahmen der JVA und der Staatsanwaltschaft Frankfurt ein. Mit einer Entscheidung sei noch in diesem Jahr zu rechnen, sagt Kolter.

Auch der Kannibale von Rotenburg könnte entlassen werden 

Neben dem Kindsmörder gibt es einen weiteren bekannten Insassen der Sotha, der dieses Jahr die Anstalt verlassen könnte. Zumindest theoretisch.

Armin Meiwes (55), der als Kannibale von Rotenburg ab Dezember 2002 weltweit für Horror-Schlagzeilen und Entsetzen sorgte, könnte im Dezember nach 15 Jahren das Gefängnis als freier Mann verlassen. Meiwes, der einen Menschen getötet und Teile von ihm gegessen hat, verbüßt in Kassel eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Eine besondere Schwere der Schuld, die einer Entlassung nach 15 Jahren entgegenstehen würde, wurde vom Gericht seinerzeit nicht festgestellt.

Im Fall des Kannibalen würde daher die Strafvollstreckungskammer seine Gefährlichkeit prüfen. Die Chancen für Meiwes, das Gefängnis zu verlassen, scheinen aber nicht besonders gut zu sein. Der Kannibale soll dem Vernehmen nach keine gute Sozialprognose haben. 

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